Samstag, 29. September 2007

Tribute to....


Heute war ich äußerst erfolgreich Klamotten kaufen. Richtig glücklich hat es mich gemacht an jedem zweiten Kleiderständer etwas zu finden, was mir gefällt - und ein paar Teile hab ich erlegt und mit nach Hause getragen. Danach habe ich dann gleich meinem neuen Hobby, dem Fotographieren mit Selbstauslöser gefrönt.

Dabei sind - finde ich ein paar passable Bilder herausgekommen.

Auf der Suche nach Motiven griff ich dann nach der angestaubten E-Gitarre:

Tribute to Music
Es gab Zeiten, das habe ich davon geträumt auf der Bühne zu stehen - früher, als ich noch viel gesungen habe als Sängerin, später hätte es mir eine Gitarre auch getan.


Tribute to Jethro Tull
Eines meiner Wunschinstrumente war Querflöte und ich habe mir ein Jahr Unterricht am Ende der Schulzeit von meinem mageren Taschengeld abgespart. Viel ist nicht geblieben und meine Versuche Ian Anderson auch nur halbwegs nahe zu kommen in seiner fantastischen Improvisation zur Bourre in e-moll von J.S. Bach sind kläglich gescheitert.

Donnerstag, 27. September 2007

Verliebt ins Unglücklichsein

Gestern war ein wundervoller Tag. Ich war mit T. verabredet, zunächst zum Kaffee trinken und zum Essen und später zu einem wundervollen Konzert, einer ganz bezaubernden Silje Nergaard. Allein das Konzert hätte für einen gelungenen Abend allemal gereicht und war vom Erholungswert mindestens einer Woche Wellnessurlaub. Es gibt noch Menschen die singen können auf der Bühne, es gibt noch Musiker die ihre Intrumente beherrschen, es gibt die Magie der leisen Töne und Bands die es schaffen ihr Publikum in einen Strudel der Begeisterung zu reißen - nur mit ihrer Musik - und sie hinterher wieder sanft auf dem Boden abzusetzten. Innerlich ein wenig zerzaust, aber glücklich.

Der Tag mit T. war wundervoll entspannt - fast würde ich sagen entspannter als jemals in den zwei Jahren in denen wir irgendwie zusammenwaren. Er hat meine Gedanken, meine Gefühle angehört und er hat sich seine Gedanken dazu gemacht, seine Irritationen die er manchmal hatte verbalisieren können, so dass der Nachmittag entspannt dahinglitt - gewürzt mit ein paar Scherzen, wie der Frage: "Soll ich dich jetzt Kaffeonkel nennen?"
Vor dem Konzert beim Toilettenbesuch (man sollte immer vor einem Konzert nochmal auf Toilette gehen!) nein eher beim Verlassen der (Damen-)Toilette überraschte mich eine Frau, die mich irritiert ansah, dann einen Schritt zurücktrat und das Schild auf der Tür nochmals ansah aufs freudigste. Ich habe in mich hineingefeixt und mich fast unbändig gefreut - vor allem, weil ich nicht damit rechnete, es nicht darauf angelegt hatte - mir einrede, dass es mir egal ist und ich ja eh als Frau wahrgenommen werde, immer und sofort. Ich korrigiere jetzt auf: meistens.

Also zu diesem entspannten Tag - einem Gefühl im ICH, einem Gefühl des SEINS kam ein interessanter kleiner Mailwechsel mit jemandem aus dem Portal, weitab von Genderdiskussionen und einfach nur eine Rückmeldung seiner Wahrnehmung. Auf seine Frage, wie sich die Vorstellung verschiedenster Alltagsdinge die er schilderte für mich anfühlt - konnte ich innerlich meist nur mit "Gut!!!!" antworten. Auch seine Frage, welche Bedenken ich denn nun habe konnte ich nicht so recht beantworten. Manchmal bringen einen die einfachsten Fragen aus dem kompliziert gestrickten Konzept.

Beim Nachdenken, warum ich mir nicht selbst einfach zugestehen kann, dass sich der Gedanke E. zu sein GUHUHUT anfühlt, viel mir ein was eine Supervisorin vor einiger Zeit mal in eine Gruppensitzung äußerte.

Sie sprach vom Verliebtsein ins Unglücklichsein - und davon, dass man manchmal unendlich viel erträgt und auch über lange Zeit erträgt, weil man es gewohnt ist - und weil man Angst vor dem Neuen hat. Man hat sich im Leiden eingerichtet, man kennt alle Ecken und Winkel, man lebt manchmal schon so lange mit dem Unglück, dass man glaubt es müsse eben so sein, oder es wäre der Normalzustand. So sitzt man auf seinem verstaubten Lebensmodell - um sich herum die vertrauten und gewohnten Schmerzen wie verschlissene Koffer, und der Gedanke sich zu trennen macht Verlustängste - es könnte ja schlimmer kommen - und Ojemine - mit den neuen Probelm und Sorgen und Ängsten und Schmerzen kennt man sich ja gar nicht aus. Es WIRD schlimmer kommen ganz bestimmt. Und so packt man sein Päckchen und trägt es stolz heroisch weiter. Verliebt ins Unglücklichsein.

Bin ich das? Entspringen meine ganzen Wenns und Abers dieser absurden Verliebtheit? Wenn ja wäre es eine tragische Liebe, eine destruktive Beziehung.

Der Abend gestern war wundervoll - ich war im ICH ich konnte SEIN - ich möchte die Erinnerung daran behalten - und ich möchte dass dies öfter so ist.

Montag, 24. September 2007

Gone

Im Nebel verschwunden
mein Liebstes,
mein Ein und mein Alles,
mein Immer Noch
und Immer Wieder

Verschlungen von Schwaden
auf unbekannten
auf fremden und dunklen
auf unsicheren
Pfaden

Ich kann dich nicht sehen
nicht hören
nicht fühlen
nur die Distanz
lässt du mich spüren

In meine Schranken
hast du
mich verwiesen
geraderaus
dich mir entzogen

Ich will dich doch nicht
fangen, nicht gängeln
nicht bestimmen
nicht drängeln
nur lieben dürfen.

Ich wollte dass du gehst
und lebst und bist
erfährst und entscheidest
und niemals wollte ich
dich hindern zu gehen.

Ich hoffte es bliebe
eine Verbindung
ein Band unsichtbar
in meiner Hand
zu deinem Herz

Jetzt muss ich es lassen
und höre mich reden
wie Alte nur reden
am Ende wenn nichts
mehr bleibt

Du bist so jung
es zerreist mein Herz
und doch hast du recht
denn mein Schmerz
geht dich nichts an

Wär nicht der Nebel
könnt ich dich sehen
in der Ferne stehen
und mir würde warm
ums Herz

Der Schleier hob sich nur kurz
und gewährte mir einen Blick
auf dich und wo du bist
Vielleicht kannst du manchmal
einfach Leuchtraketen zünden

damit ich weiß wo du bist

Sonntag, 23. September 2007

Kleine-Schritte-Geheim-Taktik

Jetzt hab ichs gewagt.
Ich hab im Forum mal nach trans-aufgeschlossenen Therapeuten gefragt. Frei nach dem Motto, selbst wenn ich Adressen habe muss ich nicht anrufen, selbst wenn ich anrufe kann ich wieder auflegen, selbst wenn ich einen Termin mache muss ich nicht hingehen, selbst wenn ich hingehe, kann ich den Mund halten, selbst wenn ich den Mund aufmache muss ich nichts von mir preisgeben, selbst wenn ich was von mir preisgebe muss sich noch keine neue Erkenntnis einstellen, selbst wenn sich eine neue Erkenntnis einstellt muss ich der keine Taten folgen lassen, selbst wenn ich Taten folgen lasse.... ach ja, das wäre dann so eine Art Point of no Return.

Meine Geheimtaktik um nicht jahrelang auf der Stelle zu treten.

Ich kicher in mich hinein - wieder mal selbst ausgetrickst.

Donnerstag, 20. September 2007

Der Egal-Raum

Im Gespräch mit anderen, die sich nicht immer schon oder nicht mehr, oder jetzt endlich richtig fühlten/fühlen taucht immer wieder die Frage nach den männlichen und weiblichen Anteilen auf, genauso wie die Frage "Was ein Mann/eine Frau?" "Woran macht sich das eigene Gefühl für männlich/weiblich fest?".

Dabei gibt es durchaus unterschiediche Lösungsansätze, Entscheidungsprozesse, Sichtweisen.

In einer solchen Diskussion tauchte die Idee auf, dass man sich die meiste Zeit seines Lebens wohl eher weder männlich noch weiblich fühlt, sondern "egal" - also schlichtweg als Wesen, das ist und handelt.

Männlich oder weiblich fühlen tritt meist nur im Zusammenhang mit dem gegenwärtigen/gefühlten/gedachten Gegenteil ein. Vielleicht fühlt man sich ja auch meist nicht menschlich - im Gegensatz zu tierisch - sondern auch da nur egal - es sei denn das eigene Handeln und Fühlen wird in einen Zusammenhang mit dem Handeln und Fühlen eines Tieres gebracht. Fast könnte ich denken, dass die Wahrnehmung des eigenen "Menschseins" umso stärker ist, je näher das Verhalten eines Tieres an menschlich wahrgenommenes Verhalten herankommt (Primaten), oder je unmenschlicher man das Verhalten eines Menschen wahrnimmt (Die benehmen sich wie Tiere)

Ist dies auch beim Mann/Frau - Fühlen so?

Kleines offenes Brainstorming:
Egal fühle ich mich auf Arbeit - dort findet Arbeit im Team statt - alle machen prinzipiell dasselbe, sind gleich gekleidet, haben dieselbe Verantwortung.
Ein irgendwie geartetes Gefühl des "weiblich seins" tritt immer dann auf, wenn eine Gruppenzuweisung stattfindet, sei es durch Sprache ("Sehr geehrte Damen und Herren...") oder durch Verhalten (Schultergeklopfe bei den Männern, Küsschen und Umamrungen bei Frauen"), eindeutiges Äußerses, Kleidung, getrennte Sanitäranlagen.


Wenn jetzt dieses gelernte Zugehörigkeitsgefühl - und ich habe mich zugehörig gefühlt, ich wollte immer zugehörig sein - auf einmal in Frage gestellt wird, dann wird der Raum des "Egal" kleiner. Auf der Suche nach der eigenen Identität und der Frage wo gehöre ich hin, stellt sich mir die Frage des männlich/weiblich Seins, Handelns, Denkens bei den unmöglichsten Gelegenheiten - dabei geht die Selbstverständlichkeit des Lebens verloren.

Dabei ist der Egal-Raum wohl der Ort, an dem die Seele am ehesten Ruhen kann, an dem es sich am leichtesten SEIN lässt, sozuagen das Zentrum des Seins. Die nun ständig verunsicherten Ausläufer des Seins, die sich nicht einfügen in die eigene erlebte Welt und die außernherum anecken erschüttern diesen Egal-Raum, engen ihn ein und machen Rückzugs- und Wohlfühlräume kleiner und seltener.

Ich plane einen Ausbau, wenn ich auch noch nicht weiß wie.

Mein Egal-Raum soll größer werden.

Montag, 17. September 2007

Bandbreite

Was stört mich daran eine Frau zu sein, die als eher maskuline Frau wahrgenommen wird?

Die Bilder haben mir gezeigt, dass ich die "feminine" Frau nicht sein kann, dass ich mich darin nicht finde. Am ehesten fühle ich mich noch wohl, wenn ich mich optisch eher maskulin gebe. Warum reicht das nicht?

Gestern Abend im Gespräch mit einer Freundin kam mir der Gedanke von der eingeschränkten Bandbreite. Wenn ich die "maskuline Frau" bin und nur dies im Moment darstellen kann, so schränkt mich dies in meinen Ausducksmöglichkeiten ein. Ich habe wenig Möglichkeiten zu spielen, nach Lust und Laune, nach Gemütslage und Tagesform. Ich kann meine Bandbreite optisch nicht auf die männlich wahrgenommene Seite der Gesellschaft ausdehenen. Ich kann es für mich selbst zwar tun, aber andere werden es nicht verstehen und deshalb auf die vermeintlich "maskuline Frau" reagieren - falsch reagieren.

Dies alles hat gar nichts mit einer Ablehnung meiner "weiblichen" Eigenschaften zu tun. Ich möchte gar nicht anders sein, nicht anders denken, nicht anders fühlen. Ich finde es gut viel zu reden - und gerne zu reden, ich mag meine Art zu denken - es ist meine Art und sie hat viel mehr mit dem "wie ich bin" zu tun, als mein Äußeres. Trotzdem ist genau diese Diskrepanz in den letzten Monaten zum Dauerthema geworden, weil die Erkenntnis gereift ist, dass andere mich nicht sehen wie ich bin - sondern ausgehend von ihrer Wahrnehumg interpretieren.

Nachdem ich also jahrelang eine Adaption meines inneren Empfindens an das äußere Erscheinungsbild versucht habe - und gescheitert bin, lassen sich meine Erfahrungen endlich einsortieren. Mein Problem des Nicht-Verstanden-Werdens wenn ich handle wie ich bin, hängt mit der falschen Interpretation zusammen - und lies sich bisher meist nur umgehen, wenn ich "neben mir" handelte, so dass für die anderen ein halbwegs stimmiges Bild entstand. Damit erklären sich auch die vielen positiven Bemerkungen, wenn ich als "weibliche Frau" irgendwo auftauchte. Ich denke die Menschen um mich herum hegten die (unbewußte) Hoffnung, dass ich stimmiger würde - genau das Gegenteil war der Fall. Dabei unterstelle ich niemandem eine böse Absicht, nicht einmal die, mich verändern zu wollen - die positiven Bemerkungen mancher, die mich schon lange kennen, waren echt, sie haben positiv erlebt was sie sahen. Nur ich stand mit diesen Komplimenten immer ein wenig verloren da - und hab es nie so recht hingekriegt sie ernst zu nehmen - oder für wahr zu halten. Ich habe mich bemüht - wirklich.

Jetzt bin ich nicht mehr gewillt mein Inneres in eine den Erwartungen entsprechendes Äußeres zu packen. Und: es schränkt mich ein. Es nimmt mir die Möglichkeit zu spielen. Maskuline Alltagskleidung fand sich schon immer in meinem Kleiderschrank - allerdings die Variante "elegant" empfinde ich für mich als unpassend und verkleidet - weil die "Frau im Anzug" eben eine Frau bleibt und meinem dann eher männlichen Empfinden nicht entsprechen würde - zudem bekommt man damit einen Exotenstatus, den ich nicht möchte und in dem ich mich unwohl fühle. Die "Frau im Abendkleid" ist weitgehend gestorben (es sei denn das Mädel besteht mal vehement darauf *g*). Bleibt als für mich stimmige Variante eben nur die unisex bis maskuline legere.
Gut zu wissen, dass es immerhin ein momentan passende Variante gibt - aber schlussendlich fühle ich mich eingeschränkt - schon wieder, nur ein wenig anders diesmal.


Anmerkung für meine Freunde:

Nein, dies alles ist nicht an die gerichtet, die mich gut kennen, die mich schon immer mochten wie ich bin - es geht um die Wahrnehmung bei Menschen die mich zwar kennen, aber mir nicht nahe stehen.

Samstag, 15. September 2007

Who's that girl?


Vor drei Tagen hat also mein Mädel mich besucht. Dabei sind richtig schöne Bilder entstanden. Ich hab sie mir angeschaut, die Bilder - wieder und immer wieder.
Also ich weiß, dass ich die Bilder von mir mit Selbstauslöser gemacht habe - es sind Bilder davon, wie ich von außen aussehe. Es sind schöne Bilder, einer schönen Frau. Sie gefallen mir, die Bilder und die Frau darauf sieht interssant aus und gut, (Ganz schön gut für ihre 41 Jahre) und das obwohl sie nur ein bißchen in den Farbtopf gegriffen hat.
Seit zwei Tagen starre ich jetzt immer wieder auf die Bilder und versuche zu fassen, dass ich das sein soll oder bin. Schon beim ersten Betrachten war sie mir fremd, die Frau auf den Bildern. Dabei ist sie schön und interssant.
Es tut mir fast körperlich weh, dass sie mir so fremd ist die Frau. Es könnte doch so einfach sein. Ich könnte mir was nettes anziehen, mich ein bißchen aufhübschen und hinausgehen in die Welt - und wäre eine durchaus interssante Frau. Verstärkt wird das ganze dadurch, dass ich von außen überraschend viele positive Reaktionen auf die Bilder bekommen habe, von realen Bekannten aus einem Internetportal. Ich nehme die Komplimente an. "Du hast so viele schöne Gesichter" schrieb eine Bekannte. Und: "So weiblich habe ich dich noch nie wahrgenommen" ein anderer. Und ich sitze da und frag mich was ich damit mache - schau die Bilder an und denke, ja, schönes Gesicht, ausdrucksstarke Augen, sehr weiblich, sehr schön.
But the hell - who's that girl?
Noch nie zuvor habe ich so schöne Bilder von mir gemacht - oder ich konnte noch niemals zuvor die Schönheit wahrnehmen, auch die weibliche Schönheit, die sich in diesem Gesicht versteckt. Und jetzt schaue ich sie an - und mir treten Tränen in die Augen. Ich kann nicht - ich wäre gern, aber ich bin das nicht, ich kann nicht sein, was ich so offensichtlich für jedermann bin.

Es tut weh, diese Frau nicht zu kennen.