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Samstag, 16. Juli 2011

Out of Rosenheim

Meine Güte ist das lange her, dass ich zum letzten mal hier geschrieben habe. Ein Symptom für die Menge an Arbeit die ich im letzten Jahr geleiste habe und die wenige Zeit die übrigblieb.
Was für ein Jahr!
Ich habe mich eingearbeitet, ich habe angefangen Verantwortung zu übernehmen und dann begannen die Schwierigkeiten. Schlussendlich wollte meine Cheffin dass ich die Arbeit so wie sie mache und ich wollte sie in ihrem Sinne tun, denn wir sind gundverschiedene Typen. Es hat mir viel Spaß gemacht und das hat mich über manche 50 Stundenwoche getragen - und dann ging es auf einmal nicht mehr.  Ende Juni war Ende und ich habe meine Kündigung abgegeben und war im gleichen Atemzug freigestellt. So habe ich jetzt also den Juli frei und musste schauen wie ich im August an Geld komme.
Was waren das für zwei Wochen! Ein paar Tage nur später bin ich mehr oder weniger zufällig über ein interessantes Stellenangebot gestolpert, angerufen und drei Tage später einen Vorstellungstermin gehabt. Nächste Woche gehe ich hospitieren. Nebenbei alles auf den Weg gebracht um mich erst einmal auf den Weg gebracht um mich freiberuflich über Wasser zu halten.
Am Dienstag dann habe ich auf ein Gesuch reagiert - 4 Wochen in Rosenheim, wieso auch nicht, wohnt doch eine Freundin quasi um die Ecke. 10min später wurde ich dann anderweitig gebucht und so wird es jetzt Datteln statt Rosenheim. Den August wird an mir vorrüberziehen - ich werde nur einmal zwischen durch nach Hause fahren können und habe noch keine Ahnung wir mir das so gefällt... nur die Aussicht auf den Lohn der nach Abzug aller Versicherungen und Steuer übrigbleibt lässt mich dann auf jeden Fall mal strahlen.

Out of Rosenheim heißt es auch für meine Tochter - Mitte September wird sie vermutlich ausziehen und das auch nicht gerade nur um die Ecke sondern gleich nach Berlin. Vielleicht ist es ganz gut, dass sich auch bei mir so viel verändert so bleibe ich schon nicht irgendwie alleine zurück.

Das nur ein Schlaglicht - vielleicht bleibt mir ja im tristen Wohnheimzimmer in Datteln Zeit wieder ein wenig mehr zu schreiben, habe ich doch dort in meiner Freizeit nichts zu tun.

Mittwoch, 25. August 2010

Urlaub, Job, Sex und Sonstiges

...Zeit zumindest irgendwas mal wieder zu schreiben... wo fang ich an. Vielleicht mit dem Urlaub, der zwar kürzer, aber deswegen nicht weniger schön war als die letztes Jahr. Vielleicht mit dem neuen Job, der mich seit dreieinhalb Wochen ganz schön umtreibt? Vielleicht damit, dass ich mir im Moment ziemlich angekommen vorkomme - so bei mir und mir gleichzeitig beim Sex eine andere Ausstattung gewünscht habe?

Also Urlaub:

Neues Zelt, neuer Twingo. Dieses Jahr wieder in Kroatien. Ich bin bis kurz hinter Sibenik gekommen, habe dort einen wunderbar kleinen familiären Campingplatz ohne Comfort gefunden. Beim Aufwachen ging gleich der erste Blick aufs Meer. Ich habe mich schnell erholt - schneller als in den Jahren zuvor und mit Erstaunen habe ich wahrgenommen welche Erleichterung es für mich darstellte, nach dem Urlaub nicht zurück zu müssen, zurück in die alte Mühle.

Nun denn neuer Job:

Gerade mal drei Wochen und drei Tage bin ich nun dort und es kommt mir schon wie eine Ewigkeit vor. Nach der ersten Woche bin ich mit einem Kopf voller Eindrücke und Informationen erst mal steinmüde zu meiner Freundin gefahren um mir mit Kindertrubel und unwichtigem aber herzlichem Gequatsche den Kopf freizupusten, bevor der Wust an Input sich in diesem zu einer betonartigen Masse verdichtet, die ich nie wieder aufgelöst bekomme.
Hat geklappt, das mit dem Freipusten - die zweit Woche war dann schon weniger der Info-Overkill. Die dritte Woche startete mit Dauergeklingel des Telefons um 5:20: "Kannst du einen Dienst bei XY machen?" "Aber ich kenne xy doch noch gar nicht?" (4 von 6 Kunden kannte ich bis dato schon) "Ich habe schon alle angerufen - und niemanden erreicht." "OK mach ich, aber das sind 70km - ich schaff es sicher nicht bis um 6 Uhr" So hab ich mich dann durchgewurschtelt - zumindest was die Räumlichkeiten und Gepflogenheiten anging.
Woche 4 ist jetzt geprägt von Massen an Krankheitsauffällen und damit mit tagesfüllendem Telefonieren um Ersatz zu finden.
Und ansonsten: Man hat mich herzlichst willkommen geheißen. Ich habe Anrufe und mails aus der Zentrale bekommen - von Leuten die ich (noch) nicht kenne, die mir nur mal hallo sagen und einen guten Start wünschen wollten. Mein Laptop war fertig eingerichtet, mit e-mail-Adresse und allen Zugriffrechten, die ich so haben soll. Mein Schreibtisch aufgeräumt und fertig bestückt. Nach 15 Jahren im öffentlichen Dienst ist DAS etwas, was einen wirklich zum Träumen bringen kann.
So habe ich gleich losgelegt - es blieb mir ja nichts anderes übrig. Mit Bewerbern telefoniert, mit Mitarbeitern gesprochen und Kunden - und eben mal getan was ich schon tun kann. Ganz nebenbei hab ich ja auch so das eine oder andere dabei gelernt. Zu einer geregelten Einarbeitung war bisher nur in Ansätzen Zeit.
Eine neue Erfahrung war auch das Übernachten in Pensionen, die viele Fahrerei und überhaupt der ganz andere Lebensrhythmus. Ich fahre weiterhin Bahn (habe mir zwei Jahresabos für zwei Verkehrsbetriebe zugelegt) und natürlich hat die Bahn die ich eigentlich nehmen könnte in der Regel 5 minuten Verspätung.... so dass ich 20 min früher fahren muss. Summa summarum macht das fast drei Stunden Wegezeit. Trotzdem genieße ich das Bahnfahren- ich kann mich entspannen, Lesen, Musik hören... und vor allem schon ein bißchen Abstand bekommen bevor ich zuhause ankomme.

Angekommen:

Zum ersten Mal bin ich bei diesem neuen Job vielen neuen Menschen begegnet und hatte nicht das Gefühl, dass ich irgendwie komisch bin. Es ist mir sehr viel positives entgegengebracht worden - und dabei war ich einfach wie ich bin .... oder sollte es daran liegen? Niemand hat sich an meinen Kleidern gestört oder mich komisch angeschaut mit meinem Faible für Männerhemden und Schuhen. Die Menschen, seien es Kollegen, Mitarbeiter, Kunden sind offen auf mich zugegangen... das ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Eine schöne Erfahrung.

Sex und heimliche Wünsche:
Nein, ich plaudere hier nicht wirklich aus dem Nähkästchen und auch nicht aus dem Werkzeugschrank. Mich hat es lediglich selbst überrascht, weil ich ja bisher keine Probleme mit meiner Ausstattung hatte - und auch hoffe nicht zu bekommen, da ich Sex mag und ihn mit meinem Körper haben und genießen kann. Mir hier etwas von dem zu wünschen, was Hormone mir geben könnten hat mich ein wenig verwirrt.

Ansonsten:

Ich brauche eine Putzfrau oder einen Putzmann. Ich nehm auch eine Putztranse - Hauptsache ich komme Freitag nach Hause, die Bude ist sauber und der Umschlag auf dem Küchentisch fehlt.
Ich werde mich darum kümmern müssen.

Montag, 28. Juni 2010

10 Jahre und 9 Tage

Am 1. Juli 2000 habe ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber angefangen.
Mit Zittern und mit Bibbern, ich war mir nicht sicher, ob ich den Anforderungen gewachsen bin, die dort an mich gestellt werden, aber auch mit ganz viel Freude auf neue Herausforderungen.

Am Mittwoch ist das dann 10 Jahre her.

Am Freitag nächter Woche um 7:40 ist meine Arbeitszeit bei diesem Arbeitgeber zuende. Danach habe ich noch Urlaub.

Es war eine verdammt gute Zeit. Ich wurde vom Anfänger in diesem Fachgebiet zum Anfänger mit etwas Erfahrung, ich habe ein Fachweiterbildung absolviert und mauserte mich zum Routinierten, dann zum Erfahrenen - da irgendwo habe ich einen Leitungsposten ergattert und wieder als Anfänger zumindest in dieser Hinsicht angefangen, eine weitere Fachweiterbildung absolviert, meinen Abschied aus dem Team betrauert und in meine Führungsrolle gefunden - nebenher wurde ich dann irgendwann zum Profi in dem was die täglichen Anforderungen mir und meinem Team abverlangten.

Anfang Mai - nach schon länger währender zunehmender Überlastung und Aussichtslosigkeit aufgrund ständig zunehmender Arbeitsbelastung für eine gleiche Anzahl von Mitarbeitern, zunehmenden Problemen mit dem Schichtdienst als solchem und einer nicht genau definierbaren Unzufriedenheit - habe ich eine Online-Stellenanzeige bei einem entsprechenden Portal geschaltet.
Es tat mir gut einfach mal aufzuzählen, was ich so kann - und natürlich auch zu formulieren was ich will. Ich habe die Anzeige deutschlandweit geschaltet einfach um mal zu sehen, ob sich überhaupt jemand für mich interessiert. BANG 2 Tage 12 Rückmeldungen. Ich war geplättet. Erwartungsgemäß waren Zeitarbeitsfirmen dabei und dann noch viele die angeblich genau hatten was ich suche (aber keine genauern Angaben, nicht mal über die Region machen wollten), sodann 2-3 Vertreterjobs- was nun so ziemlich das letzte wäre was ich machen wollte. Und zwischen all diesen mehr oder weniger interessanten Interessenten glitzerte ein Kleinod, eine Stelle, auf den ersten Blick wie für mich gemacht... und in erreichbarer (pendelbarer) Entfernung.
Ich MUSSTE anrufen - ungeachtet meiner eher deprimierten Stimmungslage - soetwas kann man sich nicht einfach so entgehen lassen Zwei Wochen später hatte ich ein Vorstellungsgespräch - noch zwei Tage später die Zusage.

Dann kam der Gang nach Canossa zu meinen Leitungskollegen - ein Team das ich vermissen werde - ihnen zu beichten, dass ich gehe hat mich schlaflose Nächte gekostet. Und dann ging alles Schlag auf Schlag: Auflösungsvertrag zum 1. August (fristgerecht hätte ich erst zum 31. Dezember kündigen können), Vertrag unterschreiben, Team informieren.
Es hat mich überrollt - und auf einmal schien alles eitel Sonnenschein. Lange herbeigesehnte Innovationen stürmten auf einmal den Arbeitsplatz, Geräte wurden bestellt - fast schien es mir als hätte ich diesen Investitionsstau vorher verursacht und wäre im Weg gestanden.
Auf einmal sah ich mir beim Arbeiten zu - und sah welche Routine ich habe, was ich locker gebacken kriege, wo andere ins Schwitzen kommen, sah den Überblick, den ich mir erworben habe in diesen 10 Jahren - mit ganz neuen Augen und mit Staunen.

Niemals habe ich so viel Bestätigung bekommen wie durch die Worte und Gesten des Bedauerns meiner Kollegen und Teammitglieder. Man soll immer gehen, wenn es am schönsten ist.

Jetzt in den letzen Tage, wenn der Stress hohe Wogen schlägt, wenn die Arbeit sich stapelt und vermeintliche hohe Prioriäten mal ganz schnell in die "weder wichtig noch dringlich"-Schublade rutschen, wenn ich schlecht schlafe und nachmittags feststelle, dass ich noch nichts vernünftiges gegessen habe, dann weiß ich wieder warum ich gehen muss - jetzt wo es am schönsten ist.

Und dann freue ich mich auch... auf geregelte Arbeitszeiten, auf einen Schreibtisch, ein Telefon und einen Computer, auf freie Wochenenden und Feiertage UND auf eine ganze Menge neuer Herausforderungen - es wird echt Zeit mal wieder Anfänger zu sein - nach 10 Jahren und 9 Tagen.



Mittwoch, 23. Juni 2010

Nicht zu empfehlen

Ab und an kommt es mal vor, dass jemand einen Kratzer in mein Auto macht, an mein geparktes Auto. So ist mir das in den letzten 10 Jahren drei mal passiert.
Keine große Sache. Man meldet es der Versicherung, ich fahre das Auto in die Werkstatt, die machen den Kratzer raus und alle sind glücklich.

Es kann aber auch anders kommen. Eines Samstagsmorgen im März oder April klingelte mich eine Nachbarin aus dem guten verlängerten Wochenendschlaf... oder der rote Twingo meiner wäre. .... Ich ahnte schon... nunja, das Auto ist nicht mal ein halbes Jahr alt - und dies das zweite Ereignis dieser Art... dabei hatte dem alten inzwischen abgewrackten doch quasi auf die Stirn geschrieben: Bitte Beule machen.
Wollte aber keiner und auch der Fahrer des Müllautos wollte lieber kunstvoll mit dem Trittbrett einen nicht wirklich erwähnenswerten Kratzer in die hintere Stoßstange des Neuen ritzen. Er hat es tatsächlich geschafft und sonst NICHTs beschädigt. Ein Virtuose unter den Müllautofahrern.

Nun denn alle ein bißchen aufgeregt, Zettel und Blöcke rauskramen, wichtige Daten austauschen - weiter kein Thema. Ich mit dem Autohaus meines Vertrauens (ich überlege ein Abo für Lackreparaturen abzuschließen) einen Kosmetiktermin für meinen T.wingo (der mit den Flügeln) ausgemacht - Hr. M. kennt mich schon und besteht darauf mich Dame zu nennen (dies aber nur am Rande, damit auch dieser Post einen trans-bezug bekommt) nimmt die Sache auf und sagt mir zu, dass ich zwei Tage später meinen Liebling frisch gehübscht wieder abholen darf - inclusive einer kompletten Innen- und Außenreinigung.
Alles fein, auch wenn Hr, M mir sagt, dass von der Versicherung nach inzwischen 1 1/2 Wochen noch immer keine Kostenübernahmezusage vorliegt. Aber er werde das einfach an die REchtsabteilung weitergeben, wenn es noch länger dauere.

Ich habe den Vorfall schon fast vergessen, als mir ein Brief einer großen deutschen Versicherungsgesellschaft ins Haus flattert (man sehe mir nach, dass ich mich mit jener Mutter der Versicherungen nicht anlegen will und deshalb auf den Namen verzichte) in der man mich bat zur Klärung des Sachverhaltes beizutragen in dem ich den Unfallhergang schildere.

Also liebe Versicherung, ich lag in tiefen Träumen - nein nicht in meinem Auto, sondern in meinem Bett, während mein Schätzchen an der Straße ordnungsgemäß geparkt sein Vormittagsnickerchen hilt und der samstäglichen Einkaufstour harrte...... oder so ähnlich. Ich quäle mich also durch 2 Seiten Forumlar - und weil ich ein netter Mensch bin drucke ich einen Ausschnitt der Google-maps Karte aus und zeichen T.Wingos Schlafplätzen ein.

2 Wochen später werde ich informiert, dass man meine Schilderung des Vorfalls (???? ich war gar nicht dabei) erhalten habe und nun auf die Stellungnahme des Unfallgegners (das war ein Netter, der Fahrer, ich kann da nix von Gegner sehen) warte.
Weitere Wochen später: Sehrgeehrtefrauf. wir freuen uns ihnen mitteilen zu können.....
Ja, ich freu mich auch, dass das Autohaus jetzt endlich sein Geld bekommt. Der Hr. M. ist nämlich echt ein Netter, dem wünsch ich keinen Ärger.

6 Wochen später flattert mir von jener Versicherung ein Wisch ins Haus in dem ich angeben soll, ob ich selbstständig wäre und wenn ja ob Vorabzugssteuerberechtigt, - verpflichtet oder wie auch immer das heißt und ob das Auto geleast sei und wenn ja bei wem.

Mir kocht so langsam die Galle hoch - es reicht!
Ich beschließe das telefonisch zu klären.... und halte inne: 49Ct/min aus dem deutschen Festnetz - die haben sie doch nicht alle. Ich glaube ich sitze das aus.

Dass es auch anders geht habe ich nur ein paar Monate vorher erfahren: Gleicher Fall, Kratzer an meinem parkenden Auto. Mit der Unglücksfahrerin Daten ausgetauscht. Gesagt, ich fahre das Auto jetzt gleich auf dem WEg zur Arbeit in die Werkstatt. Dort komme ich an, stelle mich bei Hr. M. vor, der mir sagt: Ah ja, der Badische Gemeindeversicherungsverband hat mir gerade schon telefonisch die Kostenzusage erteilt. (Hier nenne ich den Namen gerne - Lob darf man ja verteilen) Auf meinem Anrufbeantworter zuhause fand ich abends eine nette Nachricht, die mich darüber informierte, dass alles in Ordnung gehe und man hoffe den Fall mit möglichst wenig Umständen für mich zu regeln.

Mein Auto ist haftpflichtversichert - weil es das sein muss, und damit sichergestellt ist, dass für den Fall, dass ich jemanden in meiner Funktion als Autofahrer schädige, dieser seinen Schaden ersetzt bekommt. Mir ist das wichtig.
Ich weiß mit Sicherheit um welche Versicherung ich einen Bogen machen würde - mir ist es nämlich wichtig, dass der von mir Geschädigte nicht auch noch eine Menge Ärger mit meiner Versicherung hat.

Mittwoch, 14. April 2010

Wegbegleiter

Nach zwei Wochen Auszeit habe ich am Montag meinen persönlichen Arbeitsversuch wieder begonnen. Ich bin sehr distanziert zur Arbeit gegangen, mit der Option diesen Versuch nach zwei Stunden auch wieder abzubrechen. Der Tag war anstrengend für mich - wenn auch ein eher ruhigerer Tag auf Arbeit - und ich habe ihn geschafft.
Gestern dann ergab sich die Möglichkeit mit meiner Cheffin ein paar Worte unter vier Augen zu reden. Ich wollte ihr sagen, dass ich eine Kur beantragt habe - nachdem es die zwei anderen Leitungskollegen schon wussen, weil sich dort ein Gespräch früher ergeben hatte.

Sie sagte mir, dass sie sich schon Vorwürfe gemacht habe, ob sie mir zu wenig Unterstützung gegeben hätte, oder zu viel zugemutet. Es hat wohl der eine oder andere Kollege sie angesprochen gehabt, dass es mir wohl nicht gut ginge (spannend, dass das andere immer vor mir merken).
Wir haben ein wenig gesprochen über die Belastung im Allgemeinen und im Besonderen - über Lebenssituationen die Kraft zehren und die Arbeit, die nicht nur gefühlt immer dichter und mehr wird.

Und dann habe ich mir ein Herz gefasst, nachdem ich immer schon mal wieder angedeutet hatte, dass ich auch noch ein paar private Baustellen offen hätte. Ich habe ihr erzählt, was mich seit drei Jahren umtreibt, dass ich als Frau nicht glücklich bin und noch nicht weiß wo mein Weg hingeht, davon, dass ich seit drei Jahren darauf warte, dass diese Phase wieder vorübergeht, aber dass sie das nicht tut. Davor, dass ich Angst vor einem Point of no Return habe und doch spüre, dass er schon längst überschritten ist.

Sie hat zugehört - und dann tief ausgeatmet und gemeint, das erschlege sie jetzt erst mal, damit habe sie nie gerechnte, sie habe mich immer als starke Frau wahrgenommen. Und dann in einem Nebensatz fast fiel der Satz: "Aber es passt."
Ich habe ihr gesagt, dass ich mein Tempo selbst bestimmen muss und dass ich diese Info (noch) nicht im Team haben möchte, sondern dass ich das zu einem selbstgewählten Zeitpunkt, dann wenn ich es für richtig halte in einer Aktion allen gleichzeitig mitteilen werde (würde?)

Sie meinte: "Das braucht ganz schön viel Mut." und mit einer Pause und dann einem breiten Lächen: "Und wir dürfen dich begleiten."

Mein Tag gestern war ein leichter, begleitet von einer fröhlichen Melodie - eine wunderbare Abwechslung zu den schweren kraftzehrenden Tagen und Wochen in der letzten Zeit.

Montag, 29. März 2010

Erlaubnis erteilt!

Achtung: Dieser Beitrag ist unter dem Aspekt, dass er mit einer nicht ganz unerheblichen Portion Selbstironie verfasst wurde zu lesen - und nicht wortwörtlich ernst zu nehmen.


Da hat mir j-e-m-a-n-d die Erlaubnis erteilt... das reicht mir nicht, denn j-e-m-a-n-d ist ja gar nicht fachlich kompetent, mir die Erlaubnis zu erteilen. Ich nehme nur fachlich geprüfte und vielfach prämierte Erlaubniserteiler, damit ich mir dann die Erlaubnis auch genehmige.


Der knausrigste Erlaubniserteiler bin ich mir wohl selbst – das kann ich mir erlauben mit mir ganz hart zu sein und dann nach anderen schielen, die mir die Erlaubnis erteilen, die ich mir selbst nicht zu geben bereit bin. Fühlt sich gut an und so ein bisschen arrogant auch.

Immerhin hab ich mir damit erlaubt, mich auf einen Sockel zu stellen – schaut doch mal, ich, ich bin ein ganz Harter, ich halte das alles aus – Jawoll ja! – und das obwohl ihr mir die Erlaubnis erteilt habt, ich steh das durch.


Scheint irgendwie schon Sinn zu ergeben, mich da als der mit den Nehmerqualitäten zu präsentieren, obwohl ich mich eher als Weichei empfinde... immerhin kann ich jeder Erlaubnis die ich mir erteile mit den Erlaubnissen von anderen ganz kräftig untermauern.

Jetzt hat mir mein Arzt erlaubt zuhause zu bleiben, ganz offiziell mit gelbem Schein, nachdem meine allerliebste Freundin schon das ganze Wochenende auf mich eingequasselt hat wie auf einen sturen Esel: Du DARFST zuhause bleiben, ich seh doch wie’s dir geht. Und ich denk, ach ein bissel geht noch.... bis ich zwei Stunden später nicht weiß wie ich mich müdes Elend noch ins Bett schleppen soll (ja, Dramatik liegt mir bisweilen auch ganz gut). Also hab ich – ausnahmsweise – ihre Erlaubnis genommen zum Arzt gehen zu dürfen um mir die Erlaubnis – die fachlich kompetente – zu holen, dass ich offiziell krank bin und gar kein schlechtes Gewissen haben muss, dass ich von einem auf den anderen Arbeitstag nicht weiß wie ich ihn schaffen soll. Er hat mir die Erlaubnis erteilt.... und ich fühl mich schon wieder wie ein Betrüger – denn heute geht es mir gar nicht soooo schlecht und ich bin auch nicht soooo müde, nur ein bisschen schlapp halt und nur ein bisschen ausgepowert – das hätte doch locker für einen halben Arbeitstag so halbwegs und einen weiteren halben Arbeitstag mit Zähne zusammenbeißen gereicht.


Ach ja, und da gibt es da haufenweise Leute, Freunde, die mir die Erlaubnis erteilt haben, der zu sein der ich bin. Aber die sind ja nicht fachlich kompetent – deshalb gilt das nicht, also nicht so richtig, sondern nur ein bisschen. Und zu denen, die für fachlich kompetent gehalten werden, geh ich nicht, weil ich mich ja nicht rechtfertigen will, für den der ich bin und überhaupt, denen könnte ich ja alles erzählen, wenn ich nur wollte um das zu bekommen was ich wollte - und von dem ich nicht weiß ob ich es will, oder ob ich mir lediglich die Erlaubnis zu wollen nicht erteile.


Ich werde noch mal mir dem knickerigen Erlaubniserteiler in mir zu Rate gehen – Scheißkerl Alter! Und den Sockel, achja von dem Sockel sollte ich vielleicht auch noch steigen... bei Gelegenheit...... Erlaubnis erteilt.

Samstag, 6. März 2010

Die Verkleidung des Innenmannes

Wie ich schon häufiger schrieb bin ich im privaten Kreis geoutet und werde von den meisten Menschen zumindest mit Eric angesprochen, wenn auch das Pronomen längst nicht immer - aber immer öfter - stimmt.
Davon gibt es Ausnahmen, die mich jedes mal und jedes mal mehr irritieren. So bei einer guten Freundin, die ich selten sehe.
Der Einladung zum Brunch bin ich gerne gefolgt - und unbedarft, bis ich auf ihre Freunde, die ich auch schon seit Jahren oberflächlich kenne, traf. Es war ein kleines Déjà-vu, zum letztjährigen ähnlichen Ereignis, das mich wieder, nur dieses Mal mit größerer Heftigkeit, getroffen hat. Achso, hier bin ich ja noch L. - fast hätte ich mich verplappert, als sich mir eine mir bis dahin unbekannte Frau mit ihrem Namen vorstellte. Ich bin E.... runterschluck - äh ich bin L.
Während ich sonst keine (kaum) Probleme in Umfeldern habe in denen ich nicht geoutet bin, mich selbst zu fühlen und auch wohlzufühlen, weil ich unter Menschen bin, mit denen ich kann, war dieser Mittag heute von durchgehendem Unbehaglichfühlen geprägt. Wieder so ein Korkengefühl... ob aufschwimmend, seltsam, verdreht und falsch - so als müsste sich mein Innenmann kostümieren - und das tut er sonst nicht, das Kostüm Außenfrau reicht ihm da völlig als permanente Kostümierung
Ich bin niemand, der auf anderer Leute Geburtstagsbrunches mal locker ein Coming Out hinlegt - das fände ich rücksichtslos, die Leute sind ja nicht wegen mir gekommen - und trotzdem muss ich das irgendwie angehen, denn zwei solcher Geburtstagspartys reichen definitiv - beide Male habe ich mich unter mehr oder weniger fadenscheinigen Gründen frühzeitig verdrückt.

A. selbst weiß von dem was mich umtreibt - ist aber bisher bei L. geblieben und dies ist keine Abwertung meiner Person und meines Empfindens, dazu kennen wir uns schon zu lange und dazu schätzen wir uns auch viel zu sehr. Und selbstverständlich erwarte ich von ihr auch nicht, dass sie ihren Freunden MICH erklärt, dass muss und will ich dann wohl schon selbst tun.

Freitag, 19. Februar 2010

Gender-Reservate

Es gibt in der modernen Gesellschaft nur noch wenige Orte an denen jeweils nur eine Hälfte der Menschheit Zutritt hat. Öffentliche Toilettenanlagen und Umkleidekabinen gehören dazu.

Hier erwartet Mann ausschließlich Mann anzutreffen und Frau ausschließlich Frau. Ausnahmen sind die Klofrau oder der Klomann, die um ihren Aufgaben nachkommen zu können beide Reservate betreten dürfen. Eine weitere Ausnahme stellen kleine Kinder dar - vor allem ganz kleine Kinder, weil klein Bübchen auf dem Wickeltisch in den Sanitärräumen für Frauen frisch gemacht wird genauso wie sein Schwesterchen, umgekehrt ist dies fast niemals der Fall - und klein Schwesterchen wird die Sanitäranlagen für Männer kaum je zu Gesicht bekommen. Problem für den Vater, der mit seinen Kindern alleine unterwegs ist - aber das ist ein anderes Thema.

Ich meide öffentliche Toilettenanlagen inzwischen, weil ich die Irritationen die ich auslöse nicht mag. Natürlich ist es lustig, wenn ich auf der Damentoilette wartend beobachten kann wie die drei nachfolgenden Damen erst noch einmal nachschauen ob sie auch richtig sind, aber eigentlich suche ich keine Sanitäranlagen auf um mich zu amüsieren - ich will dort nur einem ziemlich schnöden Geschäft nachgehen.
Auf den Herrentoiletten fühle ICH mich nicht wohl, weil ich um meinen Körper weiß und der nun mal nicht dem Standard für diesen Ort entspricht.
Ergebnis: Im Kino lieber nichts trinken und später zuhause den dringlichen Bedürfnissen nachgehen.

Da ich weder Sauna (auch je nach Sauna und Saunatag ein Gender-Reservat) noch öffentliche Schwimbäder frequentiere entfällt das Problem Umkleidekabine für mich weitgehend. Lediglich im Fitnessstudio mute ich mich den Frauen zu, irritierte Blicke gibt es beim Betreten der Umkleide immer mal wieder - und es ist mir unangenehm, dass wohl manche Frau, die da nach dem Duschen sich gerade abtrocknet einen kleinen Schreckmoment lang sich nicht sicher ist ob Männlein oder Weiblein gerade zur Tür hereingekommen ist. Es tut mir leid, ich möchte das nicht - aber ich kann es nicht ändern.
Denn die Männerumkleide empfände ich als Zumutung für mich, mehr als für die Männer, da mein Körper eben so eindeutig weiblich ist.

Es ist lästig - und es wird zunehmend lästiger. Bei aller Gelassenheit, die ich mir verordnet habe, ist es eben doch ein Thema ob man als zugehörig eingestuft wird wenn man einen Raum betritt, der nicht allen offen steht, da helfen alle Konstrukte um inneres Fühlen und daraus abgeleitetes Sein nicht weiter.

Donnerstag, 2. Juli 2009

To do List

Wir wollen in Urlaub fahren, also ich und die Außenfrau.
Seit Montag habe ich frei und so langsam fällt auch der Alltagsstress von mir ab - um den Prä-Urlaubsstress Platz zu machen.
Auf meiner To-Do-Liste stand und steht noch so einiges.

*Lesestoff besorgen - nahezu erledigt (ich hoffe 10 Bücher reichen)
*Zeltstange ersetzten,Gasflasche tauschen,Plane, Leinen und Häringe (um den Schwund zu ersetzen) - für heute Nachmittag geplant
*Zwei Steuererklärungen machen, komische Formulare für die Rentenversicherung und die Krankenkasse ausfüllen und abschicken - in einem Schreibtischmarathon heute morgen von 7:30 - 13:00 Uhr erledigt (ich bin stolz auf mich)
*Campingutensilien durchschauen und auf Tauglichkeit prüfen - steht noch aus
*Auto erst mal entmüllen - steht auch noch aus
*zwei Überweisungen tätigen - mach ich gleich
*Papiere zusammensuchen (Versicherungsdoppelkarte, Auslandskrankenversicherung...) - oh nein, ich will nicht schon wieder in meinem Chaos wühlen, muss ich aber wohl
*Wohnung in Ordnung bringen - ist ja nix neues
*alle Wäsche waschen die ich mitnehmen will - die Waschmaschine läuft schon heiß
*Adressen von den Campingplätzen rausschreiben, die ich in die nähere Auswahl genommen habe - liegen schon in den Lesezeichen
*lange Packliste abarbeiten - darauf freu ich mich wirklich - mit jedem Stück rückt der Urlaub ein bißchen näher

*mich aufs Meer freuen und auf zwei Wochen Auszeit - aber Hallo, das krieg ich hin.

Freitag, 24. April 2009

Relativ unwichtig

Heute hatte ich meine erste Trainerstunde im Fitnesstudio hier am Ort. Ich war da schon mal vor sechs oder sieben Jahren und jetzt will ich es wieder angehen, da ich mich einfach schlapp, schlaff und wabbelig fühle.
Ich habe eine ganze Weile mit mir gehadert, ob ich wieder das Risiko eingehe schlussendlich für ein halbes Jahr für nix zu zahlen und habe mich entschlossen es zu wagen. Irgendwie kommt das Wohlfühlgefühl in meinem Körper nicht vom Nichtstun und wachsen tut ausschließlich der Bauch mit Fleiß über jeden Hosenbund. Auch wenn es objektiv nicht soooo schlimm ist, fühle ich mich doch dauerhaft unwohl.
Also habe ich letzte Woche einen Vertrag abgeschlossen und aus lauter Gewohnheit und ohne darüber nachzudenken habe ich meinen Namen angegeben und im gleichen Moment gedacht... das stimmt doch nicht. Irgendwie stimmt das nicht. Trotzdem habe ich den Mund gehalten und mich noch eine Weile mit der netten Frau am Empfang unterhalten, die auch noch so heißt, wie man mich gelegentlich genannt hat wenn man meinen Namen abkürzt. Brrrrr.

Die letzten Tage habe ich dann dieses Problemchen mit mir rumgetragen, neben all den anderen Dingen die mich beschäftigt haben. Dabei sagte mein Verstand mir es sei doch völlig egal wie man mich nennt und ich bräuchte mir keinen Kopf zu machen und die Leute nicht verwirren. Doch mein Gefühl wollte da nicht mit und fand es gar nicht in Orndung da jetzt mit diesem Namen bekannt zu sein.

Ich habe mir also Gedanken über ein Coming Out gemacht und kam zu keinem Schluss. Gefühl versus Kopf versus Angst. Ich hatte auch noch keine Entscheidung getroffen als ich hineinspazierte, doch als der Trainer sich mir vorstellte: " Ich bin der Marcus" war es ganz einfach einen Kompromiss zu finden. "Ich bin Eric, ich heiße zwar XX, aber meine Freunde nennen mich Eric". "Kein Problem!" sagte Marcus und das Ding war gegessen.

Im Verlauf der Ananmese kam das Thema dann auf Frauen und Männer, Körperfettanteil und ähnliches und ich habe noch eine Bemerkung dazu losgelassen, dass ich mich als nicht so wahnsinnig weiblich sehe und er meinte: "Das hab ich mir schon gedacht." Auf das Anamnese Forumlar schrieb er: Nachname, Vorname Rufname: Eric. (Dreimal unterstrichen)

So einfach kann es sein.

Relativ unwichtig wie man mich jetzt nennt und doch sind Namen nicht nur Schall und Rauch, mir ging es gut bei dieser ersten Stunde.

Sonntag, 29. März 2009

Zähe Tage

Die letzte Woche habe ich nach dem neuen Konzept auf Arbeit eine Woche Auszeit vom Schichtdienst gehabt und von halb neun bis halb fünf gearbeitet. Eine ungewohnte Erfahrung, die ihre Licht- und Schattenseiten hat. Auf der einen Seite hat sich sofort eine gewisse Regelmäßigkeit eingestellt, sowohl was die Essenzeiten als auch was die Schlafenszeiten anging. Trotzdem blieb von diesen Tage gefühlt wenig übrig.
Ich war abends um halb sechs zuhause und ziemlich geschafft und energielos. Viel ist nicht gelaufen außer Arbeiten und Schlafen. Der Wohnung sieht man es an - die muss heute noch dran glauben.

Gestern hatte ich noch einen Spätdienst und heute ist endlich frei - doch die nächsten fünf Tage Arbeit stehen schon an.
Manchmal frage ich mich woher andere die Energie nehmen Vollzeit zu arbeiten, ihre Wohnung, ihr Haus auf Vordermann zu halten, womöglich noch Kinder und die Oma zu versorgen und gleichzeitig noch ihren Freizeitaktivitäten nachzugehen. Meine Batterien sind nach sechs Arbeitstagen leer, was dazu führte, dass ich heute zwar um neun Uhr aufgestanden bin - aber von elf bis ein Uhr noch einmal tief und fest geschlafen habe.

Diese Woche habe ich aufgrund eines Thread im FTM alte Bilder rausgekramt. Es ging um Modesünden der Vergangenheit. Dabei habe ich mir ein stück weit die Unwissenheit vergangener Tage zurückgewünscht, das irgendwie falsch sein und nicht wissen warum. Im Anbetracht meines mich Nicht-Bewegen-Könnens, scheint es verlockend seine Anstrengungen darauf zu richten die Zugehörigkeit als richtig zu empfinden, die so offensichtlich ist. Aber eines fiel mir bei der Betrachtung der Bilder ebenfalls auf... genau diese Zeiten waren geprägt von ganz vielen vergeblichen Versuchen z.B. von den Jungs meiner Klasse als ihresgleichen akzeptiert zu werden - und nicht als Mädel toleriert zu werden , das irgendetwas "für ein Mädel" aber ganz schön gut kann. Das waren auch anstrengende Zeiten.

Ich kann das Rad nicht zurückdrehen, keinen Gedanken der gedacht wurde wieder ungedacht machen - das Leben geht nur vorwärts - und im Großen und Ganzen ist dies auch gut so.
Und weiter heißt es aushalten oder bewegen... zum Bewegen reicht der "Leidensdruck" (ein Wort das ich nicht mag) nicht - also aushalten, hinschauen, wahrnehmen und abwarten.

Bei einem kleinen Spaziergang heute - für den den Sonne beschloss sich wieder hinter den Wolken zu verkriechen - habe ich noch wenig Frühling gesehen. Nächste Woche soll er kommen, der Frühling - mich hungert nach Licht.

Samstag, 21. März 2009

Who is Eric?

Begebenheiten am Rande meines Gendertroubles.

Bisher bin ich im privaten Kreis geoutet - und ein Teil der Menschen spricht mich auch konsequent mit meinem neuen Vornamen an. Ein anderer Teil weiß zwar über meine Gedanken, aber ich habe nicht so häufig Kontakt - so dass es mir nicht wichtig ist. Bei einer guten Freunden sind drei kleine Kinder mit im Spiel - ich will auf keinen Fall irgendein Hick-Hack mit den Kindern veranstalten - also bin ich dort bei meinem bisherigen Namen geblieben.
Auf Arbeit lebe ich weiterhin "weibilch" ohne jegliches Outing, wenn man mal von meinem veränderten Kleiderstil absieht. Immerhin bekam ich da letztens von einem Kollegen im laufenden Gespräch das Statement: "Also als süß würde ich dich jetzt wirklich nicht bezeichnen." Danke F.

Mit einem Freund T., den ich nur gelegentlich sehe, der mich als L. kennt aber weiß, dass ich in anderen Kreisen bereits Eric heiße habe ich bei einer Freundin beim Umzug geholfen. Dort war auch K. anwesend, der mich schon seit längerem konsequent Eric nennt, mit dem richtigen Pronomen.
Während des Umzuges gab es nicht viel zu sprechen - allerdings erzählte mir T. er habe wahrscheinlich K. gesehen, der nach ihm einen Volkshochschulkurs belegt habe - aber er sei sich nicht sicher. Ich telefonierte kurz darauf zufällig mit K. und fragte ihn, ob das sein könne. Er bejahte.
Jetzt erzählte mir T., dass K. ihn angesprochen habe mit den Worten: Schönen Gruß von Eric, er hat mir erzählt, dass du hier auch einen Kurs besuchst... ist ja der Hammer wie klein die Welt ist."
T. durchforstete daraufhin sein Hirn: Who the fuck is Eric? - und braucht eine ganze Weile um dahinter zu kommen. Ist ja kein Wunder von "Wer ist DER?" auch auf "SIE ist gemeint" zu kommen ist nicht ganz so einfach.

Wir haben alle herzlich gelacht.
Mich freut es, das meine Freunde diese Chaos mit mir durchstehen -mit Humor und Interesse.
Vielleicht klärt sich für mich ja auch irgendwann mal die Frage:

Who is Eric?

Samstag, 5. Juli 2008

SummerCard

Es gibt bei den regionalen Verkehrbetrieben dieses Jahr ein neues Schnupperangebot, die SummerCard. Sie gilt vom 1. Juli bis zum 30. September und kostet sage und schreibe für das gesamte Netz nur 90 Euro.
Ich überlege bei steigenden Benzinpreisen schon seit längerem immer mal wieder ob ich nicht überwiegend auf die Bahn umsteigen will. Dieses Angebot des Sommers habe ich jetzt wahrgenommen und fahre seit dem 1. Juli mit der Bahn zur Arbeit.
Es ist ein ganz neues SummerFeeling. Ich habe meine letzten Dienste vor dem Urlaub und genieße das warme Wetter, die Menschen und die Fahrt durch die Innenstadt. Am meisten genieße ich endlich Zeit zum Musik hören zu haben - so sehr, dass ich das Buch, das ich dabeihabe noch gar nicht angefasst habe. Ich genieße die frische Luft am Morgen und heute auch die besondere Athmosphäre eines frühen Samstagmorgens, wenn in der Fußgängerzone nur vereinzelt Menschen ihren ganz eigenen Wegen folgen. Ein Bäcker mit "Coffee to go" -Angebot hatte auch schon auf - wie schön. So habe ich mir die Wartezeit auf meine Anschlussbahn mit einem Cappuccino versüßt.

Jetzt habe ich also drei Monate Zeit zu schauen wie es mir gefällt mich fahren zu lassen, statt selbst am Steuer zu sitzen - und billig ist es auch noch, denn für einen lumpigen Euro fährt, glaube ich, kein Auto der Welt 2 x 25km.

Auch morgen wieder mit der SummerCard - und natürlich Ersatzbatterien für den MP3-Player.

Freitag, 9. Mai 2008

Overkill


Wenn man nur genügend Geräte an eine Mehrfachsteckdose anschließt, dann kann man eine Menge Dinge gleichzeitig tun, Musik hören und im Internet surfen, Haare fönen, Toatbrot toasten, den Brotbackautomaten arbeiten lassen, Kaffee kochen, Akkus laden, den Weihnachtsbaum beleuchten, eine zweite Mehrfachsteckdose anschließen, Getränke kühlen, Wäsche waschen. Tolle Sache.


Es könnte sein, wenn man jetzt noch den Trockner anschließt, an dieselbe Steckdose, die ihren Strom aus nur eine Quelle bezieht, dass dann gar nicht's mehr geht von alledem, was eben noch so wunderbar gleichzeitig funktionierte.

So fühle ich mich gerade. Ich habe es kommen sehen, die Lichter flackern schon seit einer Weile ab und zu und immer öfter. Jetzt als ich Urlaub hatte kam der Crashdown und es geht nichts mehr. Wenn es zum Problem wird ein paar Blumen zu gießen oder einen Anruf zu tätigen, dann wird es Zeit sich Gedanken zu machen woher die Kraft noch kommen soll, oder ob man vielleicht ein paar Kraftquellen verloren hat - oder ob man ein paar Verbraucher abschalten kann.

Würde es sich um eine Steckdose handeln wäre es recht einfach - im Leben ist's nicht ganz so banal. Ich war heute erst mal beim Arzt und habe die Arbeit für eine Woche "abgeschaltet", habe mich auch dem Trauerprozess in meinem Umfeld ein Stück weit zurückgezogen. Aber das war auch schon alles. Meine Weiterbildung ist ein MUSS für meinen weiteren beruflichen Weg, auch wenn die Anforderungen, die dort an mich gestellt werden, fast panikartige Gefühle in mir erzeugen. Ein Gefühl, das ich in dieser Intensität nicht kenne. Meinen ganzen Trans-Gedanken würde ich auch mal gerne den Stecker ziehen für eine Weile - und dann ganz langsam eines nach dem anderen wieder schön ordenlich einstecken - nicht ohne zwischenzeitlich mal zu schauen ob die Spannung noch reicht, Energie plus Reserve ordentlich vorhanden ist.


Samstag, 12. April 2008

Germany's next Topmodel

Manchmal habe ich masochistische Anwandlungen - dann schaue ich zum Beispiel nach langen anstrengenden Tagen Castingshows. Einfach weil es so schön peinlich ist und man so wunderbar lästern kann.

Gestern lief "Germany's next topmodel" - also genau die richtige Show für mich. Ich hatte bisher eine Folge gesehen und dabei festgestellt, dass man als Model wohl doch etwas können muss. So weit so gut. Die Mädels sind alle recht hübsch - Sympathie- und Nervpunkte verteilen sich gleichmäßg - genau das richtige für einen matten Abend vor dem Fernseher.

Gestern wurden die Models auf Mann gestylet und hatten ein Fotoshooting mit je einem von drei Transvestiten. Einige haben das ganz gut gemacht - die meisten allerdings taten sich ziemlich schwer. Ich war nur neidisch - nicht wegen der "Mädelz" - sondern weil ich auch mal gerne von einem Profi ein Styling hätte um mal wirklich zu passen. Anyway, wie sagten die meisten als sie ihre Bilder sahen: "Oh Gott, ich seh aus wie ein Mann" oder "Gott sei Dank bin ich eine Frau, als Mann sähe ich scheiße aus" - gut so! Ich freu mich für jeden, der sich so wie er/sie ist wohlfühlt.

Samstag, 29. März 2008

Mal wieder Klamotten


Jetzt hat die Zeit gedrängt, denn nächste Woche möchte ich zu einer Veranstaltung, die einen gewissen Dresscode verlangt. Letztes Jahr hab ich da noch einen auf Mädchen gemacht - das möchte ich dieses mal nicht - aber der Kleiderschrank gab nur Alltagsklamotte her.

In Anbetracht der noch ausstehenden Ereignisse dieses Jahr brauchte ich sowieso noch was eleganteres zum Anziehen - und so waren Töchterchen und ich gestern einkaufen. Es geht doch nichts über eine gute Einkaufsberatung und bei uns Jungs geht's ja eh immer schnell. Also kurz antesten welche Größe denn nun so passt und feststellen Anzug von der Stange ist nicht. Hose in 48 zu kurz und zu eng, Jackett in 50 zu weit. Fündig wurden wir trotzdem- also nicht ich, sondern meine Trendberaterin und ich hab brav anprobiert. Die Dame am Kundenservice lächelte und wies auf den Spiegel um die Ecke hin, in dem man sich auch von der Seite anschauen kann. Boah - so ein Anzug macht schlank!

Beim Bezahlen die Augen zu und durch. Meine teuerste Klamotte ever. Aber eine nette Kassiererin - die meinte das sei nun aber echt mal ein schöner Anzug - äh eine Kombination. Dabei würden die Leute immer meckern es gäbe keinen guten Kombinationen. Gab es doch.

Nachdem sich der erste Schock über die Stange Geld gelegt hat kann ich mich jetzt auch richtig freuen. Ich freu mich auf nächste Woche.

Samstag, 4. August 2007

Von der Leichtigkeit des Friseurgangs

Outing!!!!...............?

Jepp, ich tat mich schwer, das erste mal in der Männerabteilung einzukaufen - ein bißchen unwohl fühle ich mich immer noch ab und an - aber das fühlte ich mich in der Frauenabteilung auch - ab und an. So what!

Nach meinen letzten Diensten vor dem Urlaub, nahm ich mir vor, gehe ich zum Friseur und lass mir einen Herrenschnitt machen. Dann hab ich 4 Wochen Zeit mich daran zu gewöhnen - und kann eventuell am Ende des Urlaubs wieder einen Kampflesbenschnitt draus machen lassen. Es ist immer gut ein Hintertürchen zu haben.

Also nachgedacht:

Wann? Wo? Wer guckt mich nicht doof an?

Meine Tochter kennt einen angehenden Friseur, der kennt eine Kollegin die das echt gut macht, da könnte ich einen Termin machen. Ich und Termine machen sind allerdings zwei Dinge die man am besten nicht in einem Satz erwähnt. Wer hat also zum Ende der Arbeit und zum Anfang des Urlaubs keinen Termin? Klaro: Ich.

Heute morgen also dann einen mutigen Moment abgepasst und beim Dorffriseur reingeschneit:
"Ich wollte mal fragen wie's aussieht - habt ihr Zeit?"
"Moment, ich guck mal - nur schneiden, gell? - Achja, nehmen's doch noch kurz Platz"
"Äh, kriegen Sie auch nen Herrenschnitt auf nem Frauenkopf hin?"
"Na klar, wieso denn net?" breites Grinsen "Kopf isch Kopf - wissen se denn schon was se wollet"
"Nicht so wirklich"
"Dann gucken's doch mal in die Bücher... da können's auch eins mit den Herrenschnitten nehmen."
30 min später.... ich bin 8 Euro weniger losgeworden als sonst - breites Grinsen meinerseits - Herrenschnitte sind halt billiger - die Haare sind ab - und kurz und nicht im Kampflesbenstyle. Meine rausgewachsene Färbung macht sich wunderbar, da hab ich wohl den genau passenden Zeitpunkt abgewartet. Schön, die Urlaubsfrisur ist perfekt, jetzt kann der Urlaub kommen...

Donnerstag, 24. Mai 2007

Leben mit links

"Ab jetzt leb ich mein Leben mit links"

Diesen Satz habe ich im Herbst letzten Jahres in mein Tagebuch geschrieben.
Letztes Jahr im Sommer habe ich beschlossen mit links zu schreiben. Nachdem meine Umschulung zum Rechtshänder nach außen problemlos verlief und ich nur ab und an Anwandlungen hatte mit links zu schreiben, fiel mir vor zwei Jahren ein Buch in die Hände, das die Folgen der Umschulung darstellte und auch die bestehende Möglichkeit sich zurückzuschulen.

Im Urlaub begann ich täglich zu schreiben - der Einfachheit halber eine Art Tagebuch. So waren meine Gedanken zum Thema und die Veränderungen - und Verbesserungen der Schrift an einem Platz, zusammen mit den Alltäglichkeiten und mit den anderen Dingen, die mich beschäftigten.

Dabei entstand auch dieser Satz:

Ab jetzt leb ich mein Leben mit links.

Er steht für das Schreiben mit links aber auch für die Leichtigkeit des Seins. Er steht dafür endlich auf der richtigen Seite angekommen zu sein. Inzwischen hat sich die Handschrift entwickelt, auch wenn sie immer noch krakeliger ist als die mir rechts - kein Wunder rechts hat 34 Jahre Vorsprung.

Die Entscheidung mich umzuschulen, oder zumindest einen Versuch zu wagen war im Prinzip eine, die lange gegärt hat, reifen musste und einen mutigen Zeitpunkt brauchte, da ich auch auf Arbeit viel von Hand schreiben muss -und andere das lesen. Die Umsetzung hat mich unsicher gemacht - und tut es manchmal noch, aber insegsamt ist es für mich richtiger mit links zu schreiben.

Jetzt bleibt noch das Leben auch mit links zu leben - im übertragenen Sinne, also richtig zu leben - nicht verquer.
Immer schon fühlte ich mich irgendwie daneben, entsprach mein Gefühl des Seins nicht dem was ich glaube was von außen in mir gesehen wird. Ein Gefühl des Danebenstehens und des außerhalb meiner selbst agieren müssen, damit ich funktioniere in dieser Welt.

Jetzt stehe ich wieder vor so einer Entscheidung - und als ich heute Nacht, während eines ruhigen Dienstes darüber nachdachte, fiel mir meine Rechts-Links-Umschulung ein - UND, dass ich da auch nicht vorher wußte, ob es die richtige Entscheidung ist. Es war ein Sprung ins kalte ungewisse Wasser, im Hinterkopf mit den möglichen unangenehmen Folgen die dies haben kann, wenn man seinem Gehirn einen solchen Stress zumutet. Ich habe mich herangetastet.

Meine liebe Freundin, die mir interessiert zuhört, wenn ich über mein Durcheinander berichte und mir Mut macht hinzuschauen und auszuprobieren und gleichzeitig ergebnisoffen einfach hinter mir steht, meinte: "Vielleicht musst du das jetzt ganz heftig ausprobieren, das mit dem Mann fühlen um nachher wieder zurückzuschwenken" Vielleicht ist das so. Vielleicht habe ich aber auch den "Point of no Return" innerlich schon überschritten indem ich mir erlaube mich intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzten - zum ersten Mal im Leben - denn auch diese Thematik gärt schon lange in mir. Ich bin froh über ihre Gelassenheit zum Thema - und das sie meint, sie mag mich halt einfach und sie hat sich noch nie Gedanken gemacht, ob ich nun eher männlich oder weiblich sei - ich sei halt einfach L. Und so schrieb sie mir einen Brief, der mich zum Lächeln brachte, als ich ihn aus dem Briefkasten holte, weil in der Adresse "E.-Leon" stand - du bist ein Schatz mein Schatz!

Ist das mein Weg zum Leben mit links? Bin ich falsch in dem wie ander mich wahrnehmen? Habe ich versucht diesen Wahrnehmungen zu entsprechen und dabei meine Selbstverständlichkeit dessen wie ich bin verleugnet. Ich will da hin - da wo ich mit links leben kann. Mehr Leichtigkeit - weniger Mühsal.

Freitag, 4. Mai 2007

Verantwortung(s)los

Heute vor 18 Jahren hab ich das

Verantwortungs-Los

gezogen.
An diesem unglaublichen Tag vor 18 Jahren hielt ich meine Tochter zum ersten mal im Arm; unglaublich klein, mit vielen schwarzen Haaren und unglaublich wunderbar, sofort das schönste Kind von allen - jede zerknautsche Falte ein Unicat.


Heute ist sie 18 Jahre - eine junger Mensch mit großem Selbstbewußtsein, eine den Kinderschuhen Entwachsene.
Ganz ohne mein Zutun - so scheint mir - wurde aus dem Baby ein Kleinkind, ein Schulkind, eine pubertierende Göre, ein Teenager und mit sanftem Übergang eine junge Erwachsene.
Sie ist mir so nah und doch so fremd. Anders, ganz anders als ich - und ich sehe es mit Staunen und mit Wohlwollen.
Jetzt, wo ich die

Verantwortung los

bin, kann ich einfach nur noch genießen.
Ich hatte ein bißchen Angst vor diesem Tag, an dem sie einfach machen könnte was sie wollte - auch gegen meinen Willen. Schön ist, dass ich das abgeben von Verantwortung für ihre Entscheidungen schon geübt habe. Schön ist, dass ich ihr das Leben zutraue. Sehr schön ist, dass sie mich ab und an um Rat fragt.

Happy Birthday my dear!