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Donnerstag, 28. Juli 2011

Komm mal wieder runter!

Mein Leben ist gerade atemlos. Am Montag starte ich den ersten Job  meiner Freiberuflichkeit das ist aufregend und in den letzten fünf Wochen habe ich vieles zu erledigen gehabt.
Jetzt ist alles getan - außer die Bude aufgeräumt, die Steuererklärung  abgeschickt, das Auto gewaschen, der Arzttermin  gemacht usw. usw. usw. und ich bekomme auch nichts auf die Reihe.

Heute hatte ich Fototermin, ich brauche Bilder für meinen Lebenslauf und solche für die Homepage die entstehen soll -will ich in Zukunft mir doch einen eigenen Kundenstamm aufbauen und nicht mehr auf Vermittlungsbörsen angewiesen sein. Ich hasse Fototermine, aber dieser hat mich glücklich gemacht - ich kann tatsächlich auf Bildern freundlich aussehen.
Danach bin ich zu meiner alten Arbeitsstelle - also der vorletzen - gefahren und habe ein paar Schwätzchen gehalten um die Zeit zu überbrücken,  bis die Bilder fertig sind. Nein zurück möchte ich nicht, nicht unter den Bedingungen wie sie damals waren - und ich möchte gerade auch nicht zurück unter die Fuchtel eines Arbeitsgebers. Die Stelle, für die ich mich vorgestellt hatte, am Rande des Schwarzwaldes, vor zwei Wochen, werde ich trotz guter Gespräche, einer guten Hospitation und regem Interesse des Arbeitgebers, absagen. Mein Gefühl dazu ist nicht gut, schon bei dem Gedanken daran, dass dort mein Arbeitsplatz sein soll, ich den Dienst- und Urlaubsplänen, den Gepflogenheiten ausgeliefert sein würde, macht eine Enge in mir, die sicher nicht gut ist.
Dieses mal habe ich schon im Vorfeld entschieden: Ich höre auf meinen Bauch! Und der sagt,"Llass es! Egal was der dumme Verstand für tolle Argumente hat!"

Ich habe meine Liebste besucht - meine Freundin und geliebten Menschen seit nunmehr fast 30 Jahren. Wir haben ein seltsames Hobby, wir spielen ganze Nächte durch, so wie man als Kind spielt, wenn man "Vater, Mutter, Kind" oder "Cowboy und Indianer" spielt. Wir brauchen dazu keine Requisite und natürlich sind unsere Spiele und unserer Charaktere differenzierter, als sie das zu Kindertagen waren. Es ist eine Leidenschaft in diese erfundenen Welten einzutauchen - auf meiner Homepage (Texte|Home) findet man einige Geschichten, die aus dieser Welt stammen. Über die vielen Jahre, die wir dieses Hobby nun betreiben, habe ich gelernt und gesehen: Alle meine Charactere haben Eigenschaften, die ich auch habe. Manche habe ich lange nicht gesehen, weil es nur ganz kleine Facetten meiner selbst sind und manche mag ich auch nicht - die Facetten, nicht die Charaktere. In diesen schönen und langen Nächten habe ich Facetten an einem meiner Charaktere entdeckt - im Zusammenspiel mit dem Gegenüber, meiner Freundin in ihrer gerade gewählten Rolle. Es hat mich überrascht, was mit meiner Figur passiert, wie sie agiert und was Gutes aus diesem, für sie eigentlich untypischen. Verhalten erwächst. 
"Komm doch mal runter! Setzt dich hier her zu mir und werde still!" sagt mein Gegenüber zu meiner Figur und diese nutzt diese Angebot um runterzufahren und seine Mitte zu finden. 

Nach meinem Besuch beim alten Arbeitgeber habe ich dann meinen alten Mentor an der Straßenbahnhaltestelle gesehen - fast hatte ich gehofft ihn zu sehen. Ich wollte ihn sowieso anrufen, anschreiben, wieder Kontakt aufnehmen. Er hat eigentlich nie Zeit - zumindest nicht ungeplant - ich sagte: "Komm, nur kurz auf ne Cola, 10 min. der Pizzaria gegenüber", er ist mitgekommen und ich habe kurz erzählt was mir widerfahren ist. Zum Abschluss sagte er: " Du bist völlig aufgespult! Du musst wieder runterkommen!"

Mir blieb der Mund fast offen stehen - es stimmt, ich muss wieder runterkommen, ich brauche einen Ort der Ruhe und meine Mitte wieder, Struktur und Klarheit.


Ich habe das Bedürfnis Szenen unserer nächtlichen Phantasien zu malen. Ich werde Malsachen mitnehmen in den Ruhrpott - vielleicht ist es möglich kreativ zur Ruhe zu kommen, zu Malen nicht um des Ergebnisses willen, sondern um der Unruhe, der Sehnsucht und der Rastlosigkeit einen Platz zu geben.
Und schreiben möchte ich - gestern habe ich schon angefangen und einen Text anderswo eingestellt, der viel positive Resonanz bekam. Gefreut hat mich vor allem ein Kommentar einer Leserin, die den Fluss des Yin und Yang darin fand. Das hat mir ein Lächeln aus Gesicht gezaubert - ja, ganz viel Yang in mir - und damit wären wir auch endlich wieder mal beim ursprünglichen Thema.

Samstag, 16. Juli 2011

Out of Rosenheim

Meine Güte ist das lange her, dass ich zum letzten mal hier geschrieben habe. Ein Symptom für die Menge an Arbeit die ich im letzten Jahr geleiste habe und die wenige Zeit die übrigblieb.
Was für ein Jahr!
Ich habe mich eingearbeitet, ich habe angefangen Verantwortung zu übernehmen und dann begannen die Schwierigkeiten. Schlussendlich wollte meine Cheffin dass ich die Arbeit so wie sie mache und ich wollte sie in ihrem Sinne tun, denn wir sind gundverschiedene Typen. Es hat mir viel Spaß gemacht und das hat mich über manche 50 Stundenwoche getragen - und dann ging es auf einmal nicht mehr.  Ende Juni war Ende und ich habe meine Kündigung abgegeben und war im gleichen Atemzug freigestellt. So habe ich jetzt also den Juli frei und musste schauen wie ich im August an Geld komme.
Was waren das für zwei Wochen! Ein paar Tage nur später bin ich mehr oder weniger zufällig über ein interessantes Stellenangebot gestolpert, angerufen und drei Tage später einen Vorstellungstermin gehabt. Nächste Woche gehe ich hospitieren. Nebenbei alles auf den Weg gebracht um mich erst einmal auf den Weg gebracht um mich freiberuflich über Wasser zu halten.
Am Dienstag dann habe ich auf ein Gesuch reagiert - 4 Wochen in Rosenheim, wieso auch nicht, wohnt doch eine Freundin quasi um die Ecke. 10min später wurde ich dann anderweitig gebucht und so wird es jetzt Datteln statt Rosenheim. Den August wird an mir vorrüberziehen - ich werde nur einmal zwischen durch nach Hause fahren können und habe noch keine Ahnung wir mir das so gefällt... nur die Aussicht auf den Lohn der nach Abzug aller Versicherungen und Steuer übrigbleibt lässt mich dann auf jeden Fall mal strahlen.

Out of Rosenheim heißt es auch für meine Tochter - Mitte September wird sie vermutlich ausziehen und das auch nicht gerade nur um die Ecke sondern gleich nach Berlin. Vielleicht ist es ganz gut, dass sich auch bei mir so viel verändert so bleibe ich schon nicht irgendwie alleine zurück.

Das nur ein Schlaglicht - vielleicht bleibt mir ja im tristen Wohnheimzimmer in Datteln Zeit wieder ein wenig mehr zu schreiben, habe ich doch dort in meiner Freizeit nichts zu tun.

Mittwoch, 25. August 2010

Urlaub, Job, Sex und Sonstiges

...Zeit zumindest irgendwas mal wieder zu schreiben... wo fang ich an. Vielleicht mit dem Urlaub, der zwar kürzer, aber deswegen nicht weniger schön war als die letztes Jahr. Vielleicht mit dem neuen Job, der mich seit dreieinhalb Wochen ganz schön umtreibt? Vielleicht damit, dass ich mir im Moment ziemlich angekommen vorkomme - so bei mir und mir gleichzeitig beim Sex eine andere Ausstattung gewünscht habe?

Also Urlaub:

Neues Zelt, neuer Twingo. Dieses Jahr wieder in Kroatien. Ich bin bis kurz hinter Sibenik gekommen, habe dort einen wunderbar kleinen familiären Campingplatz ohne Comfort gefunden. Beim Aufwachen ging gleich der erste Blick aufs Meer. Ich habe mich schnell erholt - schneller als in den Jahren zuvor und mit Erstaunen habe ich wahrgenommen welche Erleichterung es für mich darstellte, nach dem Urlaub nicht zurück zu müssen, zurück in die alte Mühle.

Nun denn neuer Job:

Gerade mal drei Wochen und drei Tage bin ich nun dort und es kommt mir schon wie eine Ewigkeit vor. Nach der ersten Woche bin ich mit einem Kopf voller Eindrücke und Informationen erst mal steinmüde zu meiner Freundin gefahren um mir mit Kindertrubel und unwichtigem aber herzlichem Gequatsche den Kopf freizupusten, bevor der Wust an Input sich in diesem zu einer betonartigen Masse verdichtet, die ich nie wieder aufgelöst bekomme.
Hat geklappt, das mit dem Freipusten - die zweit Woche war dann schon weniger der Info-Overkill. Die dritte Woche startete mit Dauergeklingel des Telefons um 5:20: "Kannst du einen Dienst bei XY machen?" "Aber ich kenne xy doch noch gar nicht?" (4 von 6 Kunden kannte ich bis dato schon) "Ich habe schon alle angerufen - und niemanden erreicht." "OK mach ich, aber das sind 70km - ich schaff es sicher nicht bis um 6 Uhr" So hab ich mich dann durchgewurschtelt - zumindest was die Räumlichkeiten und Gepflogenheiten anging.
Woche 4 ist jetzt geprägt von Massen an Krankheitsauffällen und damit mit tagesfüllendem Telefonieren um Ersatz zu finden.
Und ansonsten: Man hat mich herzlichst willkommen geheißen. Ich habe Anrufe und mails aus der Zentrale bekommen - von Leuten die ich (noch) nicht kenne, die mir nur mal hallo sagen und einen guten Start wünschen wollten. Mein Laptop war fertig eingerichtet, mit e-mail-Adresse und allen Zugriffrechten, die ich so haben soll. Mein Schreibtisch aufgeräumt und fertig bestückt. Nach 15 Jahren im öffentlichen Dienst ist DAS etwas, was einen wirklich zum Träumen bringen kann.
So habe ich gleich losgelegt - es blieb mir ja nichts anderes übrig. Mit Bewerbern telefoniert, mit Mitarbeitern gesprochen und Kunden - und eben mal getan was ich schon tun kann. Ganz nebenbei hab ich ja auch so das eine oder andere dabei gelernt. Zu einer geregelten Einarbeitung war bisher nur in Ansätzen Zeit.
Eine neue Erfahrung war auch das Übernachten in Pensionen, die viele Fahrerei und überhaupt der ganz andere Lebensrhythmus. Ich fahre weiterhin Bahn (habe mir zwei Jahresabos für zwei Verkehrsbetriebe zugelegt) und natürlich hat die Bahn die ich eigentlich nehmen könnte in der Regel 5 minuten Verspätung.... so dass ich 20 min früher fahren muss. Summa summarum macht das fast drei Stunden Wegezeit. Trotzdem genieße ich das Bahnfahren- ich kann mich entspannen, Lesen, Musik hören... und vor allem schon ein bißchen Abstand bekommen bevor ich zuhause ankomme.

Angekommen:

Zum ersten Mal bin ich bei diesem neuen Job vielen neuen Menschen begegnet und hatte nicht das Gefühl, dass ich irgendwie komisch bin. Es ist mir sehr viel positives entgegengebracht worden - und dabei war ich einfach wie ich bin .... oder sollte es daran liegen? Niemand hat sich an meinen Kleidern gestört oder mich komisch angeschaut mit meinem Faible für Männerhemden und Schuhen. Die Menschen, seien es Kollegen, Mitarbeiter, Kunden sind offen auf mich zugegangen... das ist eine ganz neue Erfahrung für mich. Eine schöne Erfahrung.

Sex und heimliche Wünsche:
Nein, ich plaudere hier nicht wirklich aus dem Nähkästchen und auch nicht aus dem Werkzeugschrank. Mich hat es lediglich selbst überrascht, weil ich ja bisher keine Probleme mit meiner Ausstattung hatte - und auch hoffe nicht zu bekommen, da ich Sex mag und ihn mit meinem Körper haben und genießen kann. Mir hier etwas von dem zu wünschen, was Hormone mir geben könnten hat mich ein wenig verwirrt.

Ansonsten:

Ich brauche eine Putzfrau oder einen Putzmann. Ich nehm auch eine Putztranse - Hauptsache ich komme Freitag nach Hause, die Bude ist sauber und der Umschlag auf dem Küchentisch fehlt.
Ich werde mich darum kümmern müssen.

Montag, 28. Juni 2010

10 Jahre und 9 Tage

Am 1. Juli 2000 habe ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber angefangen.
Mit Zittern und mit Bibbern, ich war mir nicht sicher, ob ich den Anforderungen gewachsen bin, die dort an mich gestellt werden, aber auch mit ganz viel Freude auf neue Herausforderungen.

Am Mittwoch ist das dann 10 Jahre her.

Am Freitag nächter Woche um 7:40 ist meine Arbeitszeit bei diesem Arbeitgeber zuende. Danach habe ich noch Urlaub.

Es war eine verdammt gute Zeit. Ich wurde vom Anfänger in diesem Fachgebiet zum Anfänger mit etwas Erfahrung, ich habe ein Fachweiterbildung absolviert und mauserte mich zum Routinierten, dann zum Erfahrenen - da irgendwo habe ich einen Leitungsposten ergattert und wieder als Anfänger zumindest in dieser Hinsicht angefangen, eine weitere Fachweiterbildung absolviert, meinen Abschied aus dem Team betrauert und in meine Führungsrolle gefunden - nebenher wurde ich dann irgendwann zum Profi in dem was die täglichen Anforderungen mir und meinem Team abverlangten.

Anfang Mai - nach schon länger währender zunehmender Überlastung und Aussichtslosigkeit aufgrund ständig zunehmender Arbeitsbelastung für eine gleiche Anzahl von Mitarbeitern, zunehmenden Problemen mit dem Schichtdienst als solchem und einer nicht genau definierbaren Unzufriedenheit - habe ich eine Online-Stellenanzeige bei einem entsprechenden Portal geschaltet.
Es tat mir gut einfach mal aufzuzählen, was ich so kann - und natürlich auch zu formulieren was ich will. Ich habe die Anzeige deutschlandweit geschaltet einfach um mal zu sehen, ob sich überhaupt jemand für mich interessiert. BANG 2 Tage 12 Rückmeldungen. Ich war geplättet. Erwartungsgemäß waren Zeitarbeitsfirmen dabei und dann noch viele die angeblich genau hatten was ich suche (aber keine genauern Angaben, nicht mal über die Region machen wollten), sodann 2-3 Vertreterjobs- was nun so ziemlich das letzte wäre was ich machen wollte. Und zwischen all diesen mehr oder weniger interessanten Interessenten glitzerte ein Kleinod, eine Stelle, auf den ersten Blick wie für mich gemacht... und in erreichbarer (pendelbarer) Entfernung.
Ich MUSSTE anrufen - ungeachtet meiner eher deprimierten Stimmungslage - soetwas kann man sich nicht einfach so entgehen lassen Zwei Wochen später hatte ich ein Vorstellungsgespräch - noch zwei Tage später die Zusage.

Dann kam der Gang nach Canossa zu meinen Leitungskollegen - ein Team das ich vermissen werde - ihnen zu beichten, dass ich gehe hat mich schlaflose Nächte gekostet. Und dann ging alles Schlag auf Schlag: Auflösungsvertrag zum 1. August (fristgerecht hätte ich erst zum 31. Dezember kündigen können), Vertrag unterschreiben, Team informieren.
Es hat mich überrollt - und auf einmal schien alles eitel Sonnenschein. Lange herbeigesehnte Innovationen stürmten auf einmal den Arbeitsplatz, Geräte wurden bestellt - fast schien es mir als hätte ich diesen Investitionsstau vorher verursacht und wäre im Weg gestanden.
Auf einmal sah ich mir beim Arbeiten zu - und sah welche Routine ich habe, was ich locker gebacken kriege, wo andere ins Schwitzen kommen, sah den Überblick, den ich mir erworben habe in diesen 10 Jahren - mit ganz neuen Augen und mit Staunen.

Niemals habe ich so viel Bestätigung bekommen wie durch die Worte und Gesten des Bedauerns meiner Kollegen und Teammitglieder. Man soll immer gehen, wenn es am schönsten ist.

Jetzt in den letzen Tage, wenn der Stress hohe Wogen schlägt, wenn die Arbeit sich stapelt und vermeintliche hohe Prioriäten mal ganz schnell in die "weder wichtig noch dringlich"-Schublade rutschen, wenn ich schlecht schlafe und nachmittags feststelle, dass ich noch nichts vernünftiges gegessen habe, dann weiß ich wieder warum ich gehen muss - jetzt wo es am schönsten ist.

Und dann freue ich mich auch... auf geregelte Arbeitszeiten, auf einen Schreibtisch, ein Telefon und einen Computer, auf freie Wochenenden und Feiertage UND auf eine ganze Menge neuer Herausforderungen - es wird echt Zeit mal wieder Anfänger zu sein - nach 10 Jahren und 9 Tagen.



Mittwoch, 14. April 2010

Wegbegleiter

Nach zwei Wochen Auszeit habe ich am Montag meinen persönlichen Arbeitsversuch wieder begonnen. Ich bin sehr distanziert zur Arbeit gegangen, mit der Option diesen Versuch nach zwei Stunden auch wieder abzubrechen. Der Tag war anstrengend für mich - wenn auch ein eher ruhigerer Tag auf Arbeit - und ich habe ihn geschafft.
Gestern dann ergab sich die Möglichkeit mit meiner Cheffin ein paar Worte unter vier Augen zu reden. Ich wollte ihr sagen, dass ich eine Kur beantragt habe - nachdem es die zwei anderen Leitungskollegen schon wussen, weil sich dort ein Gespräch früher ergeben hatte.

Sie sagte mir, dass sie sich schon Vorwürfe gemacht habe, ob sie mir zu wenig Unterstützung gegeben hätte, oder zu viel zugemutet. Es hat wohl der eine oder andere Kollege sie angesprochen gehabt, dass es mir wohl nicht gut ginge (spannend, dass das andere immer vor mir merken).
Wir haben ein wenig gesprochen über die Belastung im Allgemeinen und im Besonderen - über Lebenssituationen die Kraft zehren und die Arbeit, die nicht nur gefühlt immer dichter und mehr wird.

Und dann habe ich mir ein Herz gefasst, nachdem ich immer schon mal wieder angedeutet hatte, dass ich auch noch ein paar private Baustellen offen hätte. Ich habe ihr erzählt, was mich seit drei Jahren umtreibt, dass ich als Frau nicht glücklich bin und noch nicht weiß wo mein Weg hingeht, davon, dass ich seit drei Jahren darauf warte, dass diese Phase wieder vorübergeht, aber dass sie das nicht tut. Davor, dass ich Angst vor einem Point of no Return habe und doch spüre, dass er schon längst überschritten ist.

Sie hat zugehört - und dann tief ausgeatmet und gemeint, das erschlege sie jetzt erst mal, damit habe sie nie gerechnte, sie habe mich immer als starke Frau wahrgenommen. Und dann in einem Nebensatz fast fiel der Satz: "Aber es passt."
Ich habe ihr gesagt, dass ich mein Tempo selbst bestimmen muss und dass ich diese Info (noch) nicht im Team haben möchte, sondern dass ich das zu einem selbstgewählten Zeitpunkt, dann wenn ich es für richtig halte in einer Aktion allen gleichzeitig mitteilen werde (würde?)

Sie meinte: "Das braucht ganz schön viel Mut." und mit einer Pause und dann einem breiten Lächen: "Und wir dürfen dich begleiten."

Mein Tag gestern war ein leichter, begleitet von einer fröhlichen Melodie - eine wunderbare Abwechslung zu den schweren kraftzehrenden Tagen und Wochen in der letzten Zeit.

Montag, 29. März 2010

Erlaubnis erteilt!

Achtung: Dieser Beitrag ist unter dem Aspekt, dass er mit einer nicht ganz unerheblichen Portion Selbstironie verfasst wurde zu lesen - und nicht wortwörtlich ernst zu nehmen.


Da hat mir j-e-m-a-n-d die Erlaubnis erteilt... das reicht mir nicht, denn j-e-m-a-n-d ist ja gar nicht fachlich kompetent, mir die Erlaubnis zu erteilen. Ich nehme nur fachlich geprüfte und vielfach prämierte Erlaubniserteiler, damit ich mir dann die Erlaubnis auch genehmige.


Der knausrigste Erlaubniserteiler bin ich mir wohl selbst – das kann ich mir erlauben mit mir ganz hart zu sein und dann nach anderen schielen, die mir die Erlaubnis erteilen, die ich mir selbst nicht zu geben bereit bin. Fühlt sich gut an und so ein bisschen arrogant auch.

Immerhin hab ich mir damit erlaubt, mich auf einen Sockel zu stellen – schaut doch mal, ich, ich bin ein ganz Harter, ich halte das alles aus – Jawoll ja! – und das obwohl ihr mir die Erlaubnis erteilt habt, ich steh das durch.


Scheint irgendwie schon Sinn zu ergeben, mich da als der mit den Nehmerqualitäten zu präsentieren, obwohl ich mich eher als Weichei empfinde... immerhin kann ich jeder Erlaubnis die ich mir erteile mit den Erlaubnissen von anderen ganz kräftig untermauern.

Jetzt hat mir mein Arzt erlaubt zuhause zu bleiben, ganz offiziell mit gelbem Schein, nachdem meine allerliebste Freundin schon das ganze Wochenende auf mich eingequasselt hat wie auf einen sturen Esel: Du DARFST zuhause bleiben, ich seh doch wie’s dir geht. Und ich denk, ach ein bissel geht noch.... bis ich zwei Stunden später nicht weiß wie ich mich müdes Elend noch ins Bett schleppen soll (ja, Dramatik liegt mir bisweilen auch ganz gut). Also hab ich – ausnahmsweise – ihre Erlaubnis genommen zum Arzt gehen zu dürfen um mir die Erlaubnis – die fachlich kompetente – zu holen, dass ich offiziell krank bin und gar kein schlechtes Gewissen haben muss, dass ich von einem auf den anderen Arbeitstag nicht weiß wie ich ihn schaffen soll. Er hat mir die Erlaubnis erteilt.... und ich fühl mich schon wieder wie ein Betrüger – denn heute geht es mir gar nicht soooo schlecht und ich bin auch nicht soooo müde, nur ein bisschen schlapp halt und nur ein bisschen ausgepowert – das hätte doch locker für einen halben Arbeitstag so halbwegs und einen weiteren halben Arbeitstag mit Zähne zusammenbeißen gereicht.


Ach ja, und da gibt es da haufenweise Leute, Freunde, die mir die Erlaubnis erteilt haben, der zu sein der ich bin. Aber die sind ja nicht fachlich kompetent – deshalb gilt das nicht, also nicht so richtig, sondern nur ein bisschen. Und zu denen, die für fachlich kompetent gehalten werden, geh ich nicht, weil ich mich ja nicht rechtfertigen will, für den der ich bin und überhaupt, denen könnte ich ja alles erzählen, wenn ich nur wollte um das zu bekommen was ich wollte - und von dem ich nicht weiß ob ich es will, oder ob ich mir lediglich die Erlaubnis zu wollen nicht erteile.


Ich werde noch mal mir dem knickerigen Erlaubniserteiler in mir zu Rate gehen – Scheißkerl Alter! Und den Sockel, achja von dem Sockel sollte ich vielleicht auch noch steigen... bei Gelegenheit...... Erlaubnis erteilt.

Donnerstag, 11. März 2010

Virtueller Scharfschütze?

In einem Forum nicht zum Thema trans* - fragte jemand ob er sich dort (!) als TS FTM bezeichnen dürfe, auch wenn er keine Ambitionen zur irgendwelchen angleichenden Maßnahmen habe. In der Frage war explizit erwähnt, dass es dem Betreffenden NICHT um rechtliche Definitionen ging. Er wäre per mailwechsel darauf hingewiesen worden, dass er ein Betrüger sei (von einem anderen User)
Ich schrieb daraufhin, dass sich meiner Meinung nach in einem Forum dieser Couleur jeder so nennen dürfe, wie er meint, dass es am besten passt, zumal die Möglichkeiten sich per Kreuzchen zu verorten auch begrenzt sind.
Ich bekam Post - von einem User:

"Ja, natürlich. Alle dürfen gefälligst fühlen wie sie wollen und demzufolge auch rumdefinieren, wie sie wollen. Und egal, welcher reale Leidensdruck besteht, egal, wer was unterstützt, behandelt oder bezahlt - moralische Autorität haben eh nur jene, die sich als Betroffene bezeichnen. Nachdem der Rest der Gesellschaft sich überwunden hat, zu verstehen, was schwer zu verstehen ist und zu unterstützen, was er selbst nie brauchen wird, sollte man ihm umgehend vorschreiben, ja keine klaren Kriterien zu fordern, was er als zu behandelndes Leiden zu stützen bereit sein sollte und was auf Kosten des gesellschaftlichen Toleranzbekenntnisses selbstgefällige Kokettiererei ist. Bravo. Als irgendwie Betroffene bist du zu dumm, deine eigene Lage gesellschaftlich so zu verordnen, dass auch Nichtbetroffene damit umgehen können, ohne sich gleich, obwohl sie die Rechte der Betroffenen anerkennen, nicht andauernd auf das schlechte Gewissen des "Unwissenden" festnageln lassen müssen, wenn sie sich dazu äußern. Aber offensichtlich hast du lieber dieses kleine bisschen an Macht, mal losposaunen zu können, ohne dass man dich als "Betroffene" so lockerleicht hinterfragen dürfte, denn die Interessen jener zu vertreten, die von gesellschaftlicher Anerkennung und Hilfe abhängen, um auf ihr Leben klarzukommen. Du adelst lieber, um damit deine eigenen Eitelkeiten zu bedienen, als Betroffener auf der Sonnenseite, anstatt diese ganz spezifische Geschlechtsdysphorie, die zum Wunsch der kompletten Anpassung ans eigentliche Geschlecht führt, als etwas Distinktes anzuerkennen. Du bekacktes, eitles Luxuswesen. Du kleiner, mieser Parasit. Du regst mich echt auf."

Ich bin wirklich beeindruckt von soviel negativen Interpretationen meiner Person von jemandem mit dem ich bisher kein privates Wort gewechselt habe und gehe irgendwie kopfschüttelnd und -kratzend in meinen Tag.

Dies war ein Schuß ins Blaue verehrter User.

Ich stelle dies hier ein, weil es für mich einen gewissen kuriosen Seltenheitswert hat - und eben nicht der Regel entspricht. Im allgemeinen sind die Reaktionen auf mein Trans-sein dort und anderswo - wenn man denn darüber spricht, ist ja nicht mein allerwelts- und allertages-Thema - neugierig- interessiert, oder spektisch-neugierig. Den Versuch eines Treffers aus dem Hinterhalt hatte ich bisher in dieser Form noch nicht. Spannend.

Samstag, 6. März 2010

Die Verkleidung des Innenmannes

Wie ich schon häufiger schrieb bin ich im privaten Kreis geoutet und werde von den meisten Menschen zumindest mit Eric angesprochen, wenn auch das Pronomen längst nicht immer - aber immer öfter - stimmt.
Davon gibt es Ausnahmen, die mich jedes mal und jedes mal mehr irritieren. So bei einer guten Freundin, die ich selten sehe.
Der Einladung zum Brunch bin ich gerne gefolgt - und unbedarft, bis ich auf ihre Freunde, die ich auch schon seit Jahren oberflächlich kenne, traf. Es war ein kleines Déjà-vu, zum letztjährigen ähnlichen Ereignis, das mich wieder, nur dieses Mal mit größerer Heftigkeit, getroffen hat. Achso, hier bin ich ja noch L. - fast hätte ich mich verplappert, als sich mir eine mir bis dahin unbekannte Frau mit ihrem Namen vorstellte. Ich bin E.... runterschluck - äh ich bin L.
Während ich sonst keine (kaum) Probleme in Umfeldern habe in denen ich nicht geoutet bin, mich selbst zu fühlen und auch wohlzufühlen, weil ich unter Menschen bin, mit denen ich kann, war dieser Mittag heute von durchgehendem Unbehaglichfühlen geprägt. Wieder so ein Korkengefühl... ob aufschwimmend, seltsam, verdreht und falsch - so als müsste sich mein Innenmann kostümieren - und das tut er sonst nicht, das Kostüm Außenfrau reicht ihm da völlig als permanente Kostümierung
Ich bin niemand, der auf anderer Leute Geburtstagsbrunches mal locker ein Coming Out hinlegt - das fände ich rücksichtslos, die Leute sind ja nicht wegen mir gekommen - und trotzdem muss ich das irgendwie angehen, denn zwei solcher Geburtstagspartys reichen definitiv - beide Male habe ich mich unter mehr oder weniger fadenscheinigen Gründen frühzeitig verdrückt.

A. selbst weiß von dem was mich umtreibt - ist aber bisher bei L. geblieben und dies ist keine Abwertung meiner Person und meines Empfindens, dazu kennen wir uns schon zu lange und dazu schätzen wir uns auch viel zu sehr. Und selbstverständlich erwarte ich von ihr auch nicht, dass sie ihren Freunden MICH erklärt, dass muss und will ich dann wohl schon selbst tun.

Freitag, 19. Februar 2010

Gender-Reservate

Es gibt in der modernen Gesellschaft nur noch wenige Orte an denen jeweils nur eine Hälfte der Menschheit Zutritt hat. Öffentliche Toilettenanlagen und Umkleidekabinen gehören dazu.

Hier erwartet Mann ausschließlich Mann anzutreffen und Frau ausschließlich Frau. Ausnahmen sind die Klofrau oder der Klomann, die um ihren Aufgaben nachkommen zu können beide Reservate betreten dürfen. Eine weitere Ausnahme stellen kleine Kinder dar - vor allem ganz kleine Kinder, weil klein Bübchen auf dem Wickeltisch in den Sanitärräumen für Frauen frisch gemacht wird genauso wie sein Schwesterchen, umgekehrt ist dies fast niemals der Fall - und klein Schwesterchen wird die Sanitäranlagen für Männer kaum je zu Gesicht bekommen. Problem für den Vater, der mit seinen Kindern alleine unterwegs ist - aber das ist ein anderes Thema.

Ich meide öffentliche Toilettenanlagen inzwischen, weil ich die Irritationen die ich auslöse nicht mag. Natürlich ist es lustig, wenn ich auf der Damentoilette wartend beobachten kann wie die drei nachfolgenden Damen erst noch einmal nachschauen ob sie auch richtig sind, aber eigentlich suche ich keine Sanitäranlagen auf um mich zu amüsieren - ich will dort nur einem ziemlich schnöden Geschäft nachgehen.
Auf den Herrentoiletten fühle ICH mich nicht wohl, weil ich um meinen Körper weiß und der nun mal nicht dem Standard für diesen Ort entspricht.
Ergebnis: Im Kino lieber nichts trinken und später zuhause den dringlichen Bedürfnissen nachgehen.

Da ich weder Sauna (auch je nach Sauna und Saunatag ein Gender-Reservat) noch öffentliche Schwimbäder frequentiere entfällt das Problem Umkleidekabine für mich weitgehend. Lediglich im Fitnessstudio mute ich mich den Frauen zu, irritierte Blicke gibt es beim Betreten der Umkleide immer mal wieder - und es ist mir unangenehm, dass wohl manche Frau, die da nach dem Duschen sich gerade abtrocknet einen kleinen Schreckmoment lang sich nicht sicher ist ob Männlein oder Weiblein gerade zur Tür hereingekommen ist. Es tut mir leid, ich möchte das nicht - aber ich kann es nicht ändern.
Denn die Männerumkleide empfände ich als Zumutung für mich, mehr als für die Männer, da mein Körper eben so eindeutig weiblich ist.

Es ist lästig - und es wird zunehmend lästiger. Bei aller Gelassenheit, die ich mir verordnet habe, ist es eben doch ein Thema ob man als zugehörig eingestuft wird wenn man einen Raum betritt, der nicht allen offen steht, da helfen alle Konstrukte um inneres Fühlen und daraus abgeleitetes Sein nicht weiter.

Dienstag, 30. Juni 2009

Die Außenfrau

Nachdem ich nun schon eine ganze Weile in einschlägigen Foren unterwegs bin, ist diese wunderbare Wortkreation Außenfrau in einer kleinen Trans-Mann Gruppe in einem Forum zu einem völlig anderen Thema aufgetaucht.

Ich habe mich spontan in dieses Wort verliebt:

Außenfrau

Außenfrau beschreibt genau das, was ich sonst in vielen Worten auszudrücken, zu umschreiben, zu erklären versuchte.
Außenfrau ist die Hülle die nicht zum Innenmann passt.

Die Außenfrau ist das mit dem ich lebe, der Körper, den ich mitbekommen habe und für den ich nichts kann - so wie niemand. Es ist die Projektionsfläche meines Inneren - und in diesem Fall eine ungeschickte um dem Innenmann Ausdruck zu verleihen.

Außenfrau beschreibt für mich in liebevoller Weise meinen Körper - den ich damit nicht abwerte, sondern dem ich eine neutrale Bezeichnung geben kann. Außenfrau ist eine Tatsache - aber sie hat nichts damit zu tun, dass sie einen Innenmann beherbergt.

Ich werde dieses Wort in meinen aktiven Wortschatz aufnehmen - es ersetzt die Bezeichungen "biologisch weiblicher Körper" oder "als Frau geboren" und ist dabei weniger "wissenschaftlich" und viel näher an meinem Gefühl.

Ich würde mich freuen wenn dieses Wort in den Sprachschatz von Trans-Menschen Eingang finden würde.

Natürlich auch in der Variante "Außenmann"

Donnerstag, 21. Mai 2009

Genderchaos in den Köpfen

Beim Stöbern in alten Threads eines Forums bin ich auf folgende Aussage gestoßen:

"Erics Weggang bedauere ich SEHR. Ich finde es sehr schade, dass er gegangen ist. Aber meine Wertschätzung für sie endet ja nicht an der Tür.

Mir wäre es lieb gewesen, er wäre geblieben *seufz*"

Ich musste so lachen - mitlachen ist erlaubt.

Donnerstag, 23. April 2009

Relativ wichtig

In den letzten Tagen gab es sehr viele verschiedene Themen, die mich umgetrieben haben - die meisten davon kamen unerwartet auf mich zu.

So blieben zum Beispiel die Unterhaltszahlungen für meine Tochter aus - ich habe das Gespräch mit ihrem Vater gesucht, es war eines von der so unerfreulichen Sorte, dass die 15min mir für's nächste Jahr sicherlich reichen. Das ganze ist ärgerlich - und auch ungerecht - aber die Welt wird davon nicht untergehen - auch nicht meine.

Auf Arbeit erzählte ein Kollege von seinen Einsätzen bei "Ärzte ohne Grenzen" und zeigte in einem weitern Nachtdienst in einer ruhigen halben Stunde eine sehr informative und eindrückliche Präsentation der Arbeit.
Ich denke schon lange daran herum, was ich mit meinem Leben anfange, wenn meine Tochter dann aus dem Haus ist. Ich bin jung schon Elternteil gewesen und habe Verantwortung getragen -ich bin noch jung, wenn ich wieder nur für mich selbst verantwortlich bin. Schon immer schwebte so als vage Idee so etwas wie Ärzte ohne Grenzen in meinem Kopf herum, aber ich habe mich nie genauer informiert, weil die Zeit bis dahin immer so lange schien. Dieser Vortrag hat mich jetzt aus den vagen Träumereien gerissen und das Nachdenken über das was ich mit meinem Leben anfangen will wieder in Gang gesetzt.
Was ich erfahren habe war weitab von romantischem "Helfen" - sondern hatte viel zu tun mit viel Einsatzbereitschaft, viel Realismus und auch einer gehörigen Portion Mut der Heimat und den damit verbundenen Bequemlichkeiten für mehrere Monate den Rücken zuzukehren.

Eine Bedingung um überhaupt bei Ärzte ohne Grenzen arbeiten zu können ist z.B. Reiseerfahrung, womit nicht das 5 Sterne-Hotel auf dem Malediven gemeint ist. Also habe ich ein wenig rescherschiert und bin auch auf einige Angebote für Kurzeinsätze gestoßen. Aufgrund der etwas reduzierten finanziellen Lage (siehe oben) habe ich dies für dieses Jahr ad acta gelegt, zumal es mit Impfungen, Visa und ähnlichem für Ende Juni sowieso etwas knapp geworden wäre. Aber ich möchte es für nächstes Jahr ins Auge fassen - dann kann ich auch meinen Urlaub danach planen.

Eigentlich wiederspricht dies meinen unklaren Vorstellungend davon irgendwie Karriere zu machen - aber ein Hilfseinsatz im Urlaub ist noch keine Verpflichtung irgendetwas weitergehendes in der Richtung zu tun. Vielleicht ist mir danach auch klar, dass ich den Kulturschock, die räumliche und zeitliche Nähe mit anderen in einem Projekt oder einfach das Heimweh auf Dauer nicht verarbeiten kann oder möchte. Aber dann hätte ich zumindest eine Erfahrung gemacht.

Beim Suchen nach solchen Einsatzmöglichkeiten für maximal 4 Wochen bin ich dann auf Kurzeinsätze in Indien gestoßen, die sich interessant und machbar anhörten. Im Kleingedruckten stand bei den sonstigen Kosten: Für Frauen ca 30-35 Euro für landestypische Kleidung (Sari). Da habe ich dann erst einmal geschluckt - und zwar nicht wegen des Preises.

Hier kommt der Brückenschlag zu Überschrift - was ist wichtig?

Wenn ich als erkennbare biologische Frau einen solchen Einsatz machen möchte - dann muss ich mir eben einen Sari anziehen. Ich habe mich gefragt ob das ein Problem für mich ist - ob dies meine Person tangiert.

Ist es mir wichtiger ein paar Ziele in meinem Leben zu erreichen, vielleicht auch etwas bewegt zu haben - oder ist es mir wichtig, dass mein Nachbar sieht, dass ich ein Mann bin?

Würde ich für eine Testosterontherapie die Option einen Auslandeinsatz zu machen in den Wind schreiben, wenn ich wüsste, dass dies bei der Beurteilung der Tropentauglichkeit ein Problem darstellt(Schon alleine die Medikamentenlagerung könnte ein Problem sein) oder würde ich in den sauren Apfel beißen eben irgendwie eine Frau zu sein -wenn´s von außen eben nun mal so aussieht?


Ich finde diese Fragen nicht nur relativ wichtig - ich halte sie für Fragen von immenser Bedeutung, selbst dann, wenn das eine das andere nicht ausschließt.
Beantworten kann ich sie heute nicht, aber auf die ganz lange Bank schieben möchte ich sie auch nicht.

Donnerstag, 2. April 2009

Warum blogge ich...?

Heute bekam ich Post von jemandem, der mich über ein Forum angeschrieben hatte. Da hat jemand meinen Blog von vorne bis hinten gelesen... und für sich an Information gewonnen.
Das hat mich gefreut.

Dies ist ein Grund für mich zu bloggen.... vielleicht liest es jemand und kann damit etwas anfangen.

Der zweite Grund ist, dass ich selbst nachlesen kann, was ich dachte, so vor zwei Jahren zum Beispiel. Das habe ich heute gemacht und mit Erstaunen festgestellt, dass ich ja doch so ein bis zwei Schrittchen nach vorne gegangen bin. Mit Erschrecken habe ich allerdings festgestellt, dass manche Gedanken klarer und prägnanter waren als jetzt nach zwei Jahren Hin- und Hergeworfen sein in den Millionen Gedanken und Notwendigkeiten eines Alltags. Sie sind ein wenig konturlos geworden meine Gedanken, so wie Kiesel in einem Fluss, abgeschliffen und rund und fangen einander an zu ähneln. Ich glaube ich möchte zurück zu den scharfen Gedanken, den spitzen Überlegungen und den klaren Trennlinien und weg davon mich selbst zu relativieren.

Der dritte Grund ist mit dem zweiten Punkt verknüpft, denn ich könnte diese Gedanken ja auch in ein Tagebuch schreiben oder still für mich in den PC hacken. Gedanken zu formulieren und sie auch ein stückchenweit anonym im Internet einzustellen hat für mich das Gefühl des Loslassens und die Möglichkeit dass irgendjemand sie liest gibt diesen Gedanken ein Gewicht, sozusagen bewiesene Existenz - es ist ein Beweis für mich selbst, dass ich gedacht habe und gefühlt habe was ich geschrieben habe. Ich werde durch eine solche Mail wie die von heute darauf zurückgeworfen, wer ich war und wer ich bin und wie ich mich selbst sehe - es hindert mich daran an meinen eigenen Erinnerungen zu manipulieren.

reflections

Ich blogge, damit du es lesen kannst
Ich blogge, damit ich es loslassen kann
Ich blogge, damit ich nicht vergesse wer ich bin.

Drei gute Gründe finde ich.

Samstag, 21. März 2009

Who is Eric?

Begebenheiten am Rande meines Gendertroubles.

Bisher bin ich im privaten Kreis geoutet - und ein Teil der Menschen spricht mich auch konsequent mit meinem neuen Vornamen an. Ein anderer Teil weiß zwar über meine Gedanken, aber ich habe nicht so häufig Kontakt - so dass es mir nicht wichtig ist. Bei einer guten Freunden sind drei kleine Kinder mit im Spiel - ich will auf keinen Fall irgendein Hick-Hack mit den Kindern veranstalten - also bin ich dort bei meinem bisherigen Namen geblieben.
Auf Arbeit lebe ich weiterhin "weibilch" ohne jegliches Outing, wenn man mal von meinem veränderten Kleiderstil absieht. Immerhin bekam ich da letztens von einem Kollegen im laufenden Gespräch das Statement: "Also als süß würde ich dich jetzt wirklich nicht bezeichnen." Danke F.

Mit einem Freund T., den ich nur gelegentlich sehe, der mich als L. kennt aber weiß, dass ich in anderen Kreisen bereits Eric heiße habe ich bei einer Freundin beim Umzug geholfen. Dort war auch K. anwesend, der mich schon seit längerem konsequent Eric nennt, mit dem richtigen Pronomen.
Während des Umzuges gab es nicht viel zu sprechen - allerdings erzählte mir T. er habe wahrscheinlich K. gesehen, der nach ihm einen Volkshochschulkurs belegt habe - aber er sei sich nicht sicher. Ich telefonierte kurz darauf zufällig mit K. und fragte ihn, ob das sein könne. Er bejahte.
Jetzt erzählte mir T., dass K. ihn angesprochen habe mit den Worten: Schönen Gruß von Eric, er hat mir erzählt, dass du hier auch einen Kurs besuchst... ist ja der Hammer wie klein die Welt ist."
T. durchforstete daraufhin sein Hirn: Who the fuck is Eric? - und braucht eine ganze Weile um dahinter zu kommen. Ist ja kein Wunder von "Wer ist DER?" auch auf "SIE ist gemeint" zu kommen ist nicht ganz so einfach.

Wir haben alle herzlich gelacht.
Mich freut es, das meine Freunde diese Chaos mit mir durchstehen -mit Humor und Interesse.
Vielleicht klärt sich für mich ja auch irgendwann mal die Frage:

Who is Eric?

Freitag, 30. Januar 2009

Die Diskriminierung des zweiten Iks?

Es gibt Dinge über die ich schon viele Jahre hinwegsehe - so zum Beispiel die Unsichtbarkeit des weiblichen Geschlechts in der allgmeinenen Sprache. Nein ich möchte mich hier nicht versteigen an die/den interessierte/n Leser/in zu schreiben - das ist Sprachvergewaltigung, da im Deutschen nun mal die Form die auch die männliche ist die Allgemeine Form darstellt.
Aber auch in anderen Zusammenhängen sind Frauen in der Sprache nicht präsent - sogar dann, wenn es nur um Frauen geht und eine Sprachanpassung weder komisch noch gestelzt klingen würde. So zum Beispiel: "Kann mir mal eine von euch helfen." Auch hier verwenden die meisten Menschen, selbst wenn sie ausschließlich Frauen ansprechen "einer".

Also ich habe mich daran gewöhnt, als ich noch versuchte mich als Frau zu sehen mich immer mitgemeint zu fühlen.

Jetzt beschäftige ich mich seit fast zwei Jahren mit dem Thema Trans* und in diesem Zusammenhang fällt mir beim Stöbern im Internet wieder ein ganz ähnliches Phänomen auf: "Transsexuelle sind Menschen die früher einmal Männer waren" - oder korrekter: "Transsexuelle sind Frauen, die mit einem männlichen Körper geboren wurden."

Die stört mich schon eine ganze Weile so ein bißchen, latent und nicht wirklich greifbar. Um es aussprechbar zu machen brauchte es einen Anstoß, den ich heute in einem Blog fand. Es ging um zwei Vereine, die sich an die UNO und das Komitee zur Elimination der Diskriminierung gegen Frauen gewandt hatten.
Nun gut, es geht in diesem Komitee um Frauen - aber es geht in den Vereinen um intersexuelle und transsexuelle Menschen... mir schließt sich schlichtweg der Sinn nicht, wenn geschrieben wird:
"In Deutschland werden transsexuelle Frauen als Männer mit einer psychiatrischen Störung behandelt. Die Identitäten von intersexuellen Personen, Mädchen und Frauen sollten Respektiert werden - und ohne Experimente."

Dies ist kein Problem der Diskriminierung von Frauen - es ist ein Problem der Nichtaktzptanz von Trans- und Intersexualität. Die Identitäten von intersexuellen Personen sollten respektiert werden. Wenn die Frauen und Mädchen genannt werden, dann gehören die Männer und Jungen auch dazu. In Deutschland werden auch transsexuelle Männer als Frauen mit einer psychiatrischen Störung behandelt. Es ist meineserachtens kein Problem der Frauendiskriminierung.


Trans- und intersexuellen Menschen ist doch bei allen Unterschieden vor allem eines gemeinsam: Sie wollen selbstbestimmt so leben, wie es für sie richtig ist. Dabei ist es unerheblich, ob einem Intersexuellen Kind der Penis amputiert oder die Vagina verschlossen wurde - das eine wie das andere ist ethisch nicht nur fragwürdig sondern fällt unter die Kategorie "Gott spielen" und ist damit völlig inaktzeptabel.
Auch bei den genannten Zahlen die für sich gesehen erst einmal groß aussehen, ist die Gruppe der Transsexuellen eine kleine und die der Intersexuellen nochmals eine kleinere. Braucht es hier wirklich ein Vereinchen für jedes Grüppchen - und muss ich mich als Doppel-Iks-Träger wirklich immer gemeint fühlen und natürlich auch gemeint sein, wenn nur von Einfach-Iks-Trägern die Rede ist mit denen ich gerne mein zweites Iks gegen ein Ypsilon tauschen würde??

XY-Mann wird immer genannt - fühlt sich gemeint - XY*-Frau spielt in allen Texten über Trans und Intersexualität eine dominierende Rolle, es sei denn sie handeln explizit von XX-Männern.
Nein ich bin nicht gewillt hinzunehmen wieder nur einmal "mitgemeint" zu sein - zum ersten Mal bin ich wirklich verärgert. Ich fordere Artikel, die von Transfrauen und -männern reden, Vereine für transsexuelle und/oder intersexuelle Frauen und Männer, Informationen über transsexuelle Frauen und Männer - oder falls das wirklich zu viel zu tippen sein sollte kann man auch einfach von Menschen reden, von transsexuellen Menschen und von intersexuellen Menschen - denn das Wort Mensch hat nun eindeutig den Vorteil sowohl die weibliche als auch die männliche Variante zu meinen - ohne in Worten deckungsgleich zu sein.

Ich behalte mein zweites X.
Ich werde nicht den Mund halten und wieder stillschweigend mitgemeint sein.


* mit XY-Frau meine ich hier nicht die Testosteronresistenz die bei XY-Trägern auftreten kann und eine medizinische Diagnose darstellt - sondern die Gesamtmenge derer, die mit den Genen XY sich selbst als Frau definieren und als eine solche leben und aktzeptiert werden wollen. Darunter können natürlich auch xy-Frauen im medizinischen Sinne fallen.

Donnerstag, 1. Januar 2009

Dinge die man vermeiden sollte.....

..... wenn man gerade beschlossen hat, dass alles so bleibt wie es ist und alles gut ist:

1. Sich bei Gayromeo anmelden und Photos gucken.

Also sollte irgendjemand gerne Bilder von schönen knackigen Männern suchen, so ist er dort bestens aufgehoben.
Sollte man gerade beschlossen haben, dass es sich als Teilzeitkerl im Frauenkörper und mit dem Begehren nach Männern ganz gut lebt und man super damit zurechtkommt - so ist das pures Gift.
Man wäre besser in Wolkenkuckucksheim geblieben und hätte seinen Tagträumen Raum gegeben - da geht das nämlich - konfrontiert man sich mit der Realität dann wird's ein bißchen frustrierend, denn aus dem kleinen Anteil derer, die in dieser Community mehr als nur den schnellen Fick suchen auch noch den zu finden, der einen Frauenkörper auch männlich finden kann .... naja Utopia wurde nicht an einem Tag erbaut.

2. In einer großen Community nach den wenigen Männern suchen, die sich dort als homosexuell angemeldet sind...
... und sich die netten Paarbilder anschauen... und das heulende Elend kriegen - nun gut zum heulen hat es nicht gereicht - zum reichlich genervt und wütend sein aufs eigene Schicksal schon.

Dies sind zwei von den Dingen, die man vermeiden sollte, wenn man nicht bereit ist, den eigenen Sehnsüchten wirklich ins Gesicht zu schauen.

Ich hasse Tage wie diese.

Sonntag, 21. September 2008

Selbstaufwertung durch Fremdabwertung?

Der Link zu einem Blog macht in trans* Kreisen die Runde.

Ja wir sind gegen trans

Der Blog hat eigentlich Frauen zum Thema die Frauen lieben. Schönes Grundthema könnte man meinen.
Beim Stöbern fühle ich vor allem - die Selbstdefinition und der Selbstwert dieser Frauen ergibt sich aus der Abwertung anderer. Es werden maskuline Frauen und auch maskuline Lesben abgewertet. Auch an der Durchschnittshetero Frau bleibt kein gutes Haar. Sie lässt sich angeblich manipulieren, unterdrücken, klein halten. Nach wie vor bleibt mir unklar wie die Schreiberinnen sich selbst sehen - ohne sich zu vergleichen.

Das oben verlinkte Posting in diesem Blog hat für ein wenig Unruhe gesorgt, die Anküngidung, dass weitere Beiträge von Transmännern gelöscht werden dazu, dass ich eine Auseinandersetzung mit diesen Menschen nicht für sinnvoll halte. Es ergibt für mich so keinen Sinn, Diskussionen können nur dann fruchtbar sein, wenn beide Parteien einen Erkenntnisgewinn daraus ziehen wollen - und sei es nur ein besseres Nachvollziehen der Gedanken und Argumente des Gegenübers. Wer die Auseinandersetzung mit demjenigen scheut, den angreift, ist nicht einmal daran interessiert, sondern nur am Verbreiten der eigenen Ansichten. Das sei jedem unbenommen, es ist ein verbrieftes Grundrecht.

Die Methoden die im Blog (unter den Kommentaren) eingeräumt werden - man habe sich zu Infozwecken in ein FTM-Forum eingeloggt - und dort Schreckliches gesehen, sind Methoden die die gewollte Privatsphäre eines Menschen wissentlich verletzen. Es ist in etwa so, wie mit einem Auto, bei dem der Schlüssel steckt, ein paar Kilometer zu fahren, es war ja schließlich nicht abgeschlossen. Im Internet gibt es keine Sicherheit - aber es gibt Foren die ohne Anmeldung nicht lesbar sind - und wer dort sich lediglich mit der Absicht anmeldet sich zu informieren um die Informationen dann gegen die Personen die er ausspioniert hat zu verwenden, diskreditiert sich selbst. Das ist mehr als nur schlechter Stil.

Ich bemühe mich in meinem Umfeld um Akzeptanz - eine Stufe mehr als Toleranz, die lediglich das Stehenlassen einer abweichenden Meinung bedeutet. Akzeptanz anderer Selbstdefinitionen, anderer Lebensentwürfe, andere Ansichten und Werte generell. Ich erwarte auch Akzeptanz oder zumindest Toleranz von meinen Mitmenschen, solange meine Ansichten, meine Selbstdefinitionen ihr Leben nicht beeinträchtigen. Somit sehe ich auch keinen Anlass die Schreiberinnen hier abzuwerten oder zu diskreditieren. Ich kann ihre Meinung stehen lassen - tolerieren. Für Akzeptanz reicht es leider nicht, denn dazu nehme ich sie als zu aggressiv und angreifend wahr. Die Grenzen meiner Toleranz sind dann erreicht, wenn die abweichende Meinung zu Taten führt, die mein Leben beeinträchtigen - das ist bisher nicht geschehen. Somit kann ich es einfach stehen lassen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Menschen, die mit sich selbst im Reinen sind - seien sie nun männlich, weiblich, feminin, androgyn, maskulin, femme oder butch, schwul, lesbisch oder hetero, intersexuell, transsexuell, transgender, cross-dresser oder Volksmusikliebhaber durchaus in der Lage sind diese Statements kritisch zu lesen und sich ihre eigene Meinung zu bilden.


In diesem Sinne hat dieser Blog jetzt für meinen Geschmack für genug Wirbel gesorgt.

Ergänzung 22.09. Man kann doch mit den Autorinnen kommunizieren auf einer persönlicheren Ebene, weg vom diskutieren und hin zu den eigenen Gefühlen. Das freut mich.

Leider hielt die Gesprächsbereitschaft nicht lange an. Bereits 12 Stunden später werden keine weiteren Kommentare mehr veröffentlicht - man zieht sich zurück mit einem Statement in Großbuchstaben:

"TRANS ZEMENTIEREN DIE GESCHLECHTER-MACHT-VERHÄLTNISSE MEHR ALS BETONFEST."

Ich fürchte ja, dass der Mangel an femininen Frauen die feminine Frauen lieben unter den Kommentatorinnen dieses Blogs daraus entsteht, dass diese Frauen evtl. keinen Bedarf haben auf anders Lebende mit der Keule einzuschlagen und sich somit anderweitig finden und austauschen - so ganz ohne zementierte Mauern.


Freitag, 20. Juni 2008

Seitenwechsel


In den letzten Tagen haben mich zwei Erlebnisse beschäftigt.

Zum einen ist mir aufgefallen, dass meine Jungs, die mit mir die Weiterbildung machen es endlich aufgegeben haben ihre zweideutigen Bemerkungen oder die "versauten" Witzeleien möglichst dann zu machen, wenn ich nicht anwesend bin. Ein bißchen zwiespältig bin ich da schon, aber da es sich in der Regel nicht um frauenfeindliche Bemerkungen handelt und ein gewisses Niveau zu erkennen bleibt, kann ich damit gut leben. Dort bin ich jetzt so ein bißchen ein "Ehrenkumpel" - obwohl ich eine Frau bin. Ich grinse mal schief dazu - wollte ich das?

Das zweite Erlebnis hat mich mehr beschäftigt und hat mich ziemlich überrascht und auch verunsichert.
Ich habe meine Freundin G. besucht, die ihrerseits Besuch von einer Freundin (S.) mit ihren Kindern hatte. Schön und überraschend war, dass der Sohn (ca.5-6 Jahre) von S. mich gleich mit Beschlag belegt hat und wollte, dass ich ihm Fernseher und Playstation anschalte (nachdem G. das vor meinem Eintreffen abgelehnt hatte, weil keine kindgerechten Spiele vorhanden waren). Außerdem fragte er G. ob der Junge (!) nicht was mit ihm spielen könne. Ich war wirklich erstaunt, die Kinder wirkten nicht irritiert, sie haben über meinen Namen gelacht, weil sie es als zweisprachig aufgewachsene Kinder lustig fanden, dass ich auf türkisch "Pflaume" heiße (na gut dass ich das jetzt auch weiß - autsch) Sie hatten keine Vorinformationen über mich, außer dem Namen und die Verwendung des männlichen Pronomens - und sie wirkten nicht im mindestens irritiert. Ich staune.
Noch überraschend und bei weitem nicht so einfach zu verarbeiten war die Informationen von G. die S. ganz kurz erzählt hatte wer da kommt. Ihre Freundin S. hatte beschlossen ihr Kopftuch aufzuziehen, weil ein Mann ins Haus kommt.
Hier musste ich erst einmal durchatmen und ich bin noch immer nicht so ganz mit verdauen fertig. Meine Einstellung zum Kopftuch ist zwiegespalten, soll aber hier nicht Thema sein. Ich konnte es bei S. als äußerlichen Ausdruch ihres Glaubens und als persönliche Entscheidung gut aktzeptieren.
Der Punkt war viel eher, dass mein Eintreffen eine Frauenrunde "störte". Ich war willkommen, aber nicht als eine der ihren - das ist mir zum ersten Mal passiert. Die Gefühle die ich damit verbinde sind nicht so einfach zu beschreiben. Ich habe mich auf der einen Seite darüber gefreut, dass meine Selbstdefinition auf Akteptanz gestoßen ist - auf der anderen Seite habe ich es bedauert, Anlass gewesen zu sein, dass ein Handeln für S. notwendig wurde. Auch wenn es ihre Entscheidung ist, so hat meine Anwesenheit doch dazu geführt, dass sie eine andere Rolle und eine andere Außendarstellung einnimmt, als dies vor meinem Eintreffen der Fall war. Dazu kam ein leises Bedauern, dass es sich nicht vermeiden lassen wird, dass die Vertrautheit reiner Frauenrunden in meinem Leben seltener wird, sollte ich meinen Weg weitergehen. Ich habe sie oft sehr genossen. Doch trotz des leisen Bedauerns habe ich mich nicht unwohl gefühlt, nur ein wenig unsicher in der ungewohnten Position.

Dieses Erlebenis bei S. war beeindruckend, es hat mich deutlicher auf die männliche Seite des Lebens gestellt, als ich es bisher jemals erlebt habe - es hat in mir meine Eigenwahrnehmung in diesem Moment verändert und es hat eine Distanz zwischen S. und mir geschaffen, die ich als Frau so nie erlebt hätte. Ich werde wohl noch eine Weile darüber nachdenken.

Donnerstag, 15. Mai 2008

Mit einem halben Jahr Verspätung....

... hab ich mir jetzt doch endlich einen Threapeuten gesucht. Die erste Stunde habe ich hinter mir und ich war eigentlich traurig, dass die Zeit schon um war. Ich bin beschwingt die Treppen hinuntergehüpft, ein Lebensgefühl, das ich eine ganze Zeit lang schon vermisse.
Ich habe eine Stunde lang geplaudert, in sehr entspannter Athmosphäre, über mein übervolles Leben mit Arbeit und Privatem und es ist von allem ein bißchen zur Sprache gekommen. Ich habe ein gutes Gefühl bei dem Menschen, der mir gegenübersaß und kann mir vorstellen, dass sich das gut entwickelt.
Ein Trans*-Spezialist ist es jetzt nicht geworden - bei allen einschlägigen Therapeuten hatte ich durch Vorinformationen kein gutes Gefühl, so dass ich nicht unvoreingenommen hätte hingehen können - und außerdem eben auch ein paar andere Themen, die ich bearbeiten will.
Nächste Woche geht es weiter und ich freu mich drauf.

Mittwoch, 27. Februar 2008

Alles ist gut

Heute hatte ich in einem Forum einen Mailwechsel.

Mein Gegenüber wirkte auf mich sehr zerrissen und doch gleichzeitig in seiner Art sehr sich seiner selbst bewusst. Viel Energie sprach aus den Zeilen die wir über einige Tag wechselsten- und viel Wut.

Ich wusste erst nicht so recht, was ich mit dieser Energie anfangen sollte - wie ich antworten sollte - aber irgendwann habe ich das Überlegen eingestellt und einfach geantwortet auf die provokante Frage, um welche Fragen es den gehen würde bei einer Threapie.

Schließlich landeten wir eher bei mir, als bei meinem Gegenüber und dabei, dass ich mir selbst im Wege stehe und dass ich es hasse zu keinem Entschluss zu kommen.

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"kennst du den ausspruch, alles ist gut?" schrieb er, " der der gesagt wird, wenn ein kind einen albtraum hatte, dieser satz hilft mir oft
manchmal muss man nichts ändern, weil einfach alles gut ist- oder auch richtig

das geht in richtung transformation"

Hier ein Danke an einen Ungenannten - dieser Satz hat mir Tränen in die Augen getrieben. Alles ist gut - ich habe nur dieses eine Leben - es gibt nichts zu hadern, alles ist gut.

Alles ist gut - beinhaltet bleiben und gehen. Alles ist gut ist die Freiheit.