Donnerstag, 11. März 2010

Virtueller Scharfschütze?

In einem Forum nicht zum Thema trans* - fragte jemand ob er sich dort (!) als TS FTM bezeichnen dürfe, auch wenn er keine Ambitionen zur irgendwelchen angleichenden Maßnahmen habe. In der Frage war explizit erwähnt, dass es dem Betreffenden NICHT um rechtliche Definitionen ging. Er wäre per mailwechsel darauf hingewiesen worden, dass er ein Betrüger sei (von einem anderen User)
Ich schrieb daraufhin, dass sich meiner Meinung nach in einem Forum dieser Couleur jeder so nennen dürfe, wie er meint, dass es am besten passt, zumal die Möglichkeiten sich per Kreuzchen zu verorten auch begrenzt sind.
Ich bekam Post - von einem User:

"Ja, natürlich. Alle dürfen gefälligst fühlen wie sie wollen und demzufolge auch rumdefinieren, wie sie wollen. Und egal, welcher reale Leidensdruck besteht, egal, wer was unterstützt, behandelt oder bezahlt - moralische Autorität haben eh nur jene, die sich als Betroffene bezeichnen. Nachdem der Rest der Gesellschaft sich überwunden hat, zu verstehen, was schwer zu verstehen ist und zu unterstützen, was er selbst nie brauchen wird, sollte man ihm umgehend vorschreiben, ja keine klaren Kriterien zu fordern, was er als zu behandelndes Leiden zu stützen bereit sein sollte und was auf Kosten des gesellschaftlichen Toleranzbekenntnisses selbstgefällige Kokettiererei ist. Bravo. Als irgendwie Betroffene bist du zu dumm, deine eigene Lage gesellschaftlich so zu verordnen, dass auch Nichtbetroffene damit umgehen können, ohne sich gleich, obwohl sie die Rechte der Betroffenen anerkennen, nicht andauernd auf das schlechte Gewissen des "Unwissenden" festnageln lassen müssen, wenn sie sich dazu äußern. Aber offensichtlich hast du lieber dieses kleine bisschen an Macht, mal losposaunen zu können, ohne dass man dich als "Betroffene" so lockerleicht hinterfragen dürfte, denn die Interessen jener zu vertreten, die von gesellschaftlicher Anerkennung und Hilfe abhängen, um auf ihr Leben klarzukommen. Du adelst lieber, um damit deine eigenen Eitelkeiten zu bedienen, als Betroffener auf der Sonnenseite, anstatt diese ganz spezifische Geschlechtsdysphorie, die zum Wunsch der kompletten Anpassung ans eigentliche Geschlecht führt, als etwas Distinktes anzuerkennen. Du bekacktes, eitles Luxuswesen. Du kleiner, mieser Parasit. Du regst mich echt auf."

Ich bin wirklich beeindruckt von soviel negativen Interpretationen meiner Person von jemandem mit dem ich bisher kein privates Wort gewechselt habe und gehe irgendwie kopfschüttelnd und -kratzend in meinen Tag.

Dies war ein Schuß ins Blaue verehrter User.

Ich stelle dies hier ein, weil es für mich einen gewissen kuriosen Seltenheitswert hat - und eben nicht der Regel entspricht. Im allgemeinen sind die Reaktionen auf mein Trans-sein dort und anderswo - wenn man denn darüber spricht, ist ja nicht mein allerwelts- und allertages-Thema - neugierig- interessiert, oder spektisch-neugierig. Den Versuch eines Treffers aus dem Hinterhalt hatte ich bisher in dieser Form noch nicht. Spannend.

Kommentare:

  1. Ich habe mich immer gefragt, was völlig unbekannte Menschen dazu treibt, einen so langen, ausführlichen und schwer beleidigten und beleidigenden Text zu schreiben.
    Leider habe ich ähnliches auch schon erlebt, als mir Menschen aufgrund von Blogbeiträgen üble E-Mails geschrieben haben.
    Meine Vermutung: Wir drücken unwissentlich auf einen verborgenen Knopf bei diesen Typen, der dann zu dieser Reaktion führt. Das ist wie eine Bärenfalle im Unterholz. Du latscht da nichtsahnend rein und das Ding schnappt mit irrer Geschwindigkeit zu.
    Es ist schön, dass du du dir diese üblen Beleidigungen nicht so sehr zu Herzen nimmst.

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  2. Oje - ist das auf Eurer Seite des Zaunes also auch so?? Ich glaubte bisher, nur unter MzFs herrschte diese Definitions- und Abgrenzungswut ... :-/

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  3. Ich fürchte wirklich ich habe da unwissentlich einen Knopf gedrückt... schrieb ich doch in etwa: Menschen die mit sich im Reinen wären könnten meist durchaus auch mal nicht genormte Identitäten in ihren Reihen dulden - und müssten keinen Aufstand deswegen machen.

    Ich sehe es gelassen - es muss mich durchaus nicht jeder mögen... die Heftigkeit hat mich trotzdem überrascht. So what, ich weiß ziemlich zuverlässig wem es besser geht.

    @Britta - ja die gibt es auch auf dieser Seite und in jeder Hinsicht, also untereinander und von außen.

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  4. Es ist schon echt heftig, was manche Menschen sich erlauben ohne einander zu kennen. Wäre die Anonymität nicht gegeben, wären sie sicher die ersten, die sich zurück ziehen und keinen Ton mehr sagen.

    Ich finde, dass jeder sich bezeichnen kann, wie er will. Zumindest in Foren etc.! Man kann ja dazu schreiben, dass man rechtlich gesehen anders bezeichnet werden würde und Punkt. Meine Güte, so einen Aufstand wegen deiner Aussage...

    Traurig, dass manche Menschen so unter aller Sau sind...

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  5. Hate-Mail dieser Qualität läßt NIEMANDEN kalt - mir ist noch jedesmal, wenn mir vergleichbares widerfuhr, das Blut in den Adern gefroren.
    Ich lasse mich nur noch widerstrebend in Diskussionen wie die von Dir geschilderte ziehen. Bringt einfach - außer Kummer - so gar nichts, wenn man gegen Windmühlenflügel reiten muß.
    Im Kampf gegen Dogmatismus/Fanatismus kann man nur verlieren: Lebenszeit und Lebenslust nämlich.
    Wie mir heute wieder einmal nur zu deutlich bewußt geworden ist. :-((

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  6. Wäre diese Mail von einem Menschen gekommen, der mir irgendwie nahe stünde, mir irgendwie wichtig wäre - oder hätte sie irgendeinen Bereich meines Seins ge- und betroffen an dem ich verwundbar bin - dann hätte ich sie hier nicht veröffentlicht. Bisher ist dies noch kaum vorgekommen. Der betreffende User, den ich als Forumsschreiber durchaus kenne - und den ich eher als Stänkerer wahrnehme - hat hier meiner Meinung nach eine Menge über sich selbst ausgesagt - aber wenig zum Thema.

    Nein mir ist das Blut nicht in den Adern gefroren - ich war wirklich überrascht, irritiert, verwundert.
    Dieser versuchte Angriff ist einer von ganz wenigen, die ich bisher erhalten habe.

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  7. hallo und schöne grüße von einer bisher passiven mitleserin deines blogs! dies ist ein glasklarer fall von übertragung, oder? in diesem menschen muß das thema ja dermaßen arbeiten, und der muß sowas von zerrissen sein, daß er so heftig reagiert. ich kann mir gut vorstellen, daß dich die attacke deshalb gar nicht wirklich erreicht. menschenskinder, steht der unter strom!ich bin ganz platt vom lesen...

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  8. Ich finde es einfach wahnsinnig schwer, mich davon nicht runterziehen zu lassen. Meistens gelingt mir das nicht und leide noch ein, zwei Tage nach.
    Bei mir hat mal jemand anonym ins Gästebuch geschrieben: "Bei Adolf hätte es solche Typen wie dich nicht gegeben..." und noch Schlimmeres.
    Ich konnte ihn allerdings über die IP-Adresse identifizieren und habe ihm eine E-Mail geschrieben. Als die Person nicht mehr anonym war, hat sie sich sogar entschuldigt und mich gebeten, keine Anzeige zu erstatten, was ich ohnehin nicht vor hatte.
    Ja, das Internet: Anonym sind die meisten zwei Meter und sieben groß.
    Toll, wie du diese Anfeindung aufgearbeitet hast.

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  9. Herrje, was für eine Jauche. Und mit soviel Mühe zusammengetragen- es ist enorm, was die Menschen alles tun, um ihre Abneigung gegen Andere zu äußern, denen sie vollkommen egal sind.
    Echt verschwendete Lebenszeit.
    Gut, dass du drüber stehst!

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